Donnerstag, 18. Mai 2017

Kompetenztest für Asylbewerber vorgestellt

Um praktische und soziale Kompetenzen der Asylbewerber besser ermitteln zu können und ihnen damit bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen, wurde ein eigens dafür konzipiertes Testverfahren entwickelt. Das Projekt wurde am Donnerstag vorgestellt.

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Bei der Vorstellung des Pilotprojektes, das in Zusammenarbeit mit der Sozialgenossenschaft AKRAT durchgeführt wird, erklärte Martha Stocker: „Vordergründiges Ziel aller Integrationsbemühungen ist die rasche Eingliederung von Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt“.  

Grundlage dieses Pilotprojektes ist der Eignungstest „hamet2F“, ein handwerklich-motorischer Eignungstest, ein handlungsorientiertes Verfahren zur Kompetenzfeststellung für Asylbewerber.

Arbeit für 30 Prozent der Getesteten

Durch die Feststellung der Kompetenzen mit dem eigens dafür entwickelten Testverfahren sollen sich nun die Chancen zur Integration auf dem Arbeitsmarkt erhöhen. Voraussichtlich werden etwa 300 Asylbewerber in den Jahren 2017 und 2018 das Verfahren durchlaufen, 85 von ihnen haben es heuer bereits abgeschlossen. 

Eine Stichprobe ergab, dass 30 Prozent bereits einer Beschäftigung nachgehen. „Dieser Prozentsatz ist erst der Beginn, wir rechnen bei fortschreitendem Projekt mit einer Steigerung“, zeigte sich die Landesrätin zuversichtlich.

Monatliche Tests für je 12 Personen

Einige Asylbewerber hätten inzwischen sogar unbefristete Arbeitsverhältnisse. An den monatlichen Test- und Beobachtungstagen in der Sozialgenossenschaft AKRAT können jeweils zwölf Personen teilnehmen, die sich derzeit in den Flüchtlingseinrichtungen in Südtirol aufhalten.

Während eines Prüfungstages bearbeiten die Asylbewerber sehr unterschiedliche handwerkliche Testaufgaben. Bei der Ausführung der Aufgaben  werden auch das Arbeitsverhalten, die Teamfähigkeit und die Fähigkeit zur eigenständigen Problemlösung bewertet. Das Ergebnis fließt in einen abschließenden Bericht ein, der zukünftigen Arbeitgebern eine Orientierungshilfe bieten soll. Angedacht wird bereits eine Ausweitung des Eignungstests auf die Bereiche Tourismus und Pflege, sofern die Testphase von „hamet2F“ positiv abgeschlossen wird und das Interesse der Wirtschaft besteht.

Große Unterschiede bei Bildung und Sprache

Die meisten Teilnehmer am Pilotprojekt waren bislang Männer, davon stammten 48 Prozent aus einem afrikanischen Staat, weitere 44  Prozent kamen aus Asien  und 8 Prozent aus dem Mittleren Orient und Osteuropa.

Zu erkennen war der große Bildungsunterschied unter den Getesteten, der vom nie beschulten Analphabeten bis zu Personen mit Hochschulabschluss reichte, auch bei den Sprachkenntnissen waren relativ große Unterschiede feststellbar.

Die beruflichen Stärken der Asylbewerber lagen laut den bisherigen Testergebnissen vor allem im handwerklichen Bereich. Anerkennung fand das Projekt auch beim Südtiroler Wirtschaftsring, einige Vertreter hatten sich bei einem Testtag vor Ort ein Bild gemacht und die wertvolle Initiative gelobt.

Präzise Angaben für einen erfolgreichen Berufsweg

Mit dem Verfahren „hamet2F“ werden handwerkliche, motorische, praktische und soziale Kompetenzen anhand von Tests und Beobachtungen zu sechs Faktoren festgestellt. Dazu zählen Routine und Tempo, einfache Werkzeughandhabung, Wahrnehmung und Symmetrie, Instruktionsverständnis, komplexe Werkzeughandhabung sowie Messgenauigkeit und Präzision.

Der Mitentwickler des „hamet2F“ Verfahrens und Mitarbeiter von Akrat Herbert Öhrig stellte den Teilnehmern ein gutes Zeugnis aus: „Sie haben eine gute Beobachtungsfähigkeit, eine schnelle Auffassungsgabe und vor allem eine hohe Bereitschaft zu lernen. Dies können wir den Arbeitgebern weitervermitteln“. 

stol

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