„Der Kompromiss ermöglicht funktionierende Landwirtschaft und schützt Lebensräume“, so Landesrat Peter Brunner. Nur auf höchstens vier Prozent der Natura-2000-Flächen sei der Viehbestand vielleicht zu reduzieren. Dafür habe der Landeshauptmann Ausgleichzahlungen zugesichert.<BR /><BR />Auf der Tagesordnung der Landesregierung steht am heutigen Freitag der von Landesrat Peter Brunner mit der Landwirtschaft ausgehandelte Kompromiss. „Dieser ist besser, als das, was vor einem Jahr auf dem Tisch lag“, sagt SBB-Bergbauernvertreter Alberich Hofer. Bauern und Gemeinden liefen damals Sturm gegen die Vorlage des Landes, die Ausbringung von Gülle und Jauche in Natura- 2000-Gebieten strenger zu regeln. Dort darf sich der Zustand der Wiesen nicht verschlechtern. Im Raum stand ein totales Gülleverbot und als Folge eine starke Reduzierung des Viehbestands. Viele Bauern hätten damit die Stalltüren für immer schließen müssen, hieß es damals.<BR /><BR /> Jetzt hat man einen tragfähigeren Weg gefunden. Es bleibt weitgehend bei der Kartierung von 2016. Die Wiesen sind in fünf Kategorien eingeteilt. Die am meisten betroffene C-Klasse wird aber in artenreichere und eine artenärmere Prägung unterteilt. Aufrecht bleibt das Verschlechterungsverbot, ein totales Gülleverbot kommt nicht.<BR /><BR />Um eine Verschlechterung des Zustandes der Wiesen zu vermeiden, werden künftig vielmehr Düngepläne zur Pflicht. „Und zwar für all jene, die Jauche und Gülle ausbringen, die schnell in den Boden eindringen. Bei Mist gilt dies nicht“, erklärt Landesrat Brunner.<h3> Erstmals verbindliche Grenzwerte bestimmt</h3>Bei weniger als 1,5 Großvieheinheiten pro Hektar reicht ein einfacher Düngeplan mit Selbsterklärung. Bei über 1,5 Großvieheinheiten pro Hektar ist ein detaillierter Plan vorzulegen. „Die Pläne sehen erstmals verbindliche Grenzwerte für das Ausbringen von Flüssigdünger, Jauche, Gülle und Biogas-Gülle vor“, betont Brunner. Diese befinden sich in der Anlage des Beschlusses und sollen – wie die Redaktion erfuhr – bei Jauche auf 2,3 Kilogramm pro Kubikmeter und bei Gülle auf 3,5 Kilogramm pro Kubikmeter belaufen.<BR /><BR />Brunner spricht von einem Kompromiss, der funktionierende Landwirtschaft ermögliche und zugleich die Artenvielfalt schütze. „In den Düngeplänen werden klare Limits festgelegt“, betont Brunner. Der Viehbestand sei nicht zwangsläufig auf 1,5 Großvieheinheiten zu senken. Wer darüber bleibt, unterliege aber detaillierteren Düngeplänen mit Planunterlagen und Flächenbilanz, die von den Ämtern bereitgestellt werden. „Die Werte sind einzuhalten.“<BR /><BR />Dass es trotzdem punktuell zu einer Reduzierung des Viehbestandes kommen kann, schließt Brunner nicht aus. „Die Ämter haben aber nachgerechnet, dass dies potenziell nur auf 80 bis 90 Hektar der Fall sein könnte“, so Brunner. Dies entspricht lediglich 4,2 Prozent der Natura-2000-Flächen und dem minimalen Anteil von 0,12 Prozent aller im LAFIS eingetragenen Wirtschaftsflächen in Südtirol. „Sollte eine Reduzierung anfallen, hat der Landeshauptmann einen Ausgleich durch das Land zugesagt“, so Brunner.<BR /><BR />„Unser Ziel war es, alle Auflagen zur Gülle wegzubringen. Das ist nicht gelungen. Wir mussten diesen Kompromiss eingehen“, so Bauernvertreter Hofer. <BR /><BR />Allemal sei dieser deutlich besser als alles, was zuvor auf dem Tisch lag. Manche fordern ein totales Gülleverbot. „Landwirtschaft ist aber auch in Natura-2000-Gebieten erlaubt und muss möglich bleiben“, sagt Hofer.<h3> Michael Epp: „Realistischen Mittelweg gefunden“</h3>Zustimmung zum Kompromiss kommt von Michael Epp. Er führte den Widerstand der Gemeinden an, da 82 Prozent der Gemeinde Truden im Natura-2000-Gebiet liegt. Er spricht von einem realistischen Mittelweg zwischen europäischen Naturschutzvorgaben und berechtigten Anliegen der Landwirtschaft. <BR /><BR />„Ein Zurück auf Null ist nicht möglich und auch nicht sinnvoll“, so Epp. Entscheidend sei vielmehr, dass sich Landeshauptmann, die Landesräte Brunner, Walcher und der SBB gemeinsam um einen gemeinsamen Weg bemüht hätten, der fachlich vertretbar, rechtlich belastbar und für die Betriebe praktikabel sei.