Montag, 25. Februar 2019

Konkrete Weisungen des Papstes gegen Missbrauch verlangt

Nach dem Spitzentreffen im Vatikan zu den Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche hat der Trierer Bischof Stephan Ackermann konkrete und verbindliche Weisungen des Papstes gefordert. „Notwendig ist dazu auch ein permanentes und weltweites Controlling“, teilte der Beauftragte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz für Fragen sexuellen Missbrauchs am Sonntagabend mit.

Papst Franziskus hatte am Sonntag zum Abschluss der Konferenz im Vatikan zwar ein Ende der Vertuschung versprochen, aber keine konkreten Schritte genannt.
Papst Franziskus hatte am Sonntag zum Abschluss der Konferenz im Vatikan zwar ein Ende der Vertuschung versprochen, aber keine konkreten Schritte genannt. - Foto: © APA/AFP

Papst Franziskus hatte am Sonntag zum Abschluss der Konferenz im Vatikan zwar ein Ende der Vertuschung versprochen, aber keine konkreten Schritte genannt, wie er das in Zukunft erreichen will. Deswegen reagierten Opferverbände trotz der klaren Worte des Papstes enttäuscht.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, teilte diese Kritik nicht. „Ich habe wirklich den Eindruck gehabt, hier wird klar gesprochen und auch deutlich die Linie vorgegeben. Aber das Umsetzen, das kann nicht von Rom alleine erfolgen. Das ist auch unsere Aufgabe in den verschiedenen Bischofskonferenzen“, sagte er im „Heute Journal“ des ZDF.

„Servus TV“ hat ebenfalls davon berichtet.

Machtkontrolle sei in Papst-Rede nicht zu Wort gekommen

Der Theologe Michael Seewald kritisierte die Selbstwahrnehmung der Kirche. „Die Kirche sollte aufhören, sich selbstmitleidig als Opfer des Missbrauchsskandals zu sehen. (...)" Das Ergebnis des Treffens sei insgesamt enttäuschend, sagte Seewald. Positiv sei zu werten, dass das Thema Missbrauch vom Papst überhaupt auf die Agenda der Weltkirche gesetzt worden sei – immerhin gebe es noch Länder, in denen Bischöfe behaupteten, sexualisierte Gewalt an Minderjährigen sei ein Problem, das sie gar nicht hätten. „Diese Verweigerungshaltung ist nun zumindest ein kleines Stück weit gebrochen“, sagte Seewald. Nötig wären aber klare Vorgaben gewesen, auf die der Papst die Bischöfe in aller Welt verbindlich verpflichtet. „Die Kirche bräuchte konkrete Regelungen, die zum Beispiel festlegen, was mit einem Bischof geschieht, der Täter gedeckt oder Akten vernichtet hat.“ Von effektiver Machtkontrolle sei in der Ansprache von Franziskus aber keine Rede gewesen.

Für die Bischöfe in aller Welt soll es zudem eine Art Praxishandbuch geben, das ihnen erklärt, welche Pflichten und Aufgaben sie haben. „Das Problem der Weltkirche ist, dass 90 Prozent der Bischöfe (bisher) nichts getan haben“, so Politi. Deutschland sei in dieser Sicht „in der Spitzengruppe der Reformer“.

dpa

stol