Mittwoch, 01. Juli 2015

Kopftuchverbot gefordert: Doch was ist mit Sarner Frauen und Nonnen?

Die einen tragen es der Tradition wegen, die anderen, weil sie durch die Chemo die Haare verloren und wieder andere, weil sie dazu gezwungen werden. Doch wie passen diese Kochtuchträgerinnen zusammen? Damit hat sich der Landtag am Mittwoch beschäftigt, weil die Freiheitlichen in einem Begehrensantrag an das Parlament ein Kopftuchverbot für Angestellte im öffentlichen Dienst fordern.

Ja oder nein zu einem Kopftuchverbot in der öffentlichen Verwaltung?
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Ja oder nein zu einem Kopftuchverbot in der öffentlichen Verwaltung? - Foto: © LaPresse

Das Kopftuch - und dabei meine er nicht etwa das Sarner Kopftuch - sei nicht Vorschrift des Islam, sondern Ausdruck des Islamismus und der Unterdrückung von Frauen, so Sigmar Stocker. Oft würden auch Lehrkräfte ein Kopftuch tragen und dies sei hierzulande problematisch. Eine Lehrerin mit Kopftuch stelle die Neutralität der Schule in Frage.

Burkas sind durch Verhüllungsverbot bereits untersagt

In Italien gebe es ein Verhüllungsverbot an öffentlichen Plätzen, stellte Brigitte Foppa (Grüne) fest. Damit seien Burka oder Niqab in Italien sowieso verboten.

Ein allgemeines Kopftuchverbot würde dem Verfassungsprinzip der Religionsfreiheit widersprechen. Das Kopftuch sei in vielen Kulturen daheim, in Italien ebenso wie in Südtirol, werde aber auch von Krebspatientinnen getragen.

Auch Nonne tragen Kopftuch

Sven Knoll (Süd-Tiroler Freiheit) plädierte für den Antrag, aber auch für eine Differenzierung. Es gebe schließlich auch Nonnen, die Religion unterrichteten. Das Gesetz sei übrigens widersprüchlich, wenn es die Freiheit der Religion garantiere und gleichzeitig verbiete, aus religiösen Gründen einen Burka zu tragen.

Man müsse sich überlegen, ob es dem Zusammenleben und der Integration abträglich sei, wenn man Einwanderern dieselben Bedingungen wie in ihrer Heimat biete.

An der Diskriminierung der islamischen Frau festhalten?

Der Ansatz des Antrags sei richtig, meinte Andreas Pöder (BürgerUnion). Das Kopftuch stehe auch für ein veraltetes Islam-Bild, auch muslimische Intellektuelle sähen darin eine Erniedrigung. Der zaghafte Kampf um die Befreiung der Frau in den islamischen Ländern werde mit Regelungen zugunsten des Kopftuchs zunichte gemacht.

Er verstehe nicht, warum die Grünen, die stets für die Grundrechte einträten, nun an der Diskriminierung der islamischen Frau festhalten wollten. Das Kopftuch sei keine Vorschrift des Koran, es sei ein Symbol der Unterdrückung, ein Symbol des Eigentums an der Frau.

Kein Unterdrückungssymbol 

Er sei für die Freiheit des Individuums auf jeder Ebene, erklärte Alessandro Urzì (Alto Adige nel cuore). Das schließe auch die Wahl der Kleidung mit ein. Man könne das Kopftuch nicht rundum als Unterdrückungssymbol bezeichnen, auch Nonnen würden es tragen, auch viele Sarnerinnen und viele Frauen in Süditalien.

Die Bedeckung des Gesichts sei hingegen aus guten Gründen verboten.

Krebspatienten ausgenommen?

Ulli Mair (F) bezeichnete es als verwerflich, wenn man wie Foppa das Foto einer Krebspatientin für dieses Debatte verwende (Foppa replizierte, Emma Bonino habe den Auftritt mit Kopftuch durchaus als politischen Akt gesehen; A.d.R.) Auch die Gleichstellung mit dem Sarner Kopftuch sei unterste Schublade.

 In Deutschland hätten sich die Grünen über die bayerische Tracht einer Staatssekretärin mokiert, das zeige wieder einmal die grüne Doppelzüngigkeit. Sie sei nicht dafür, wenn der Westen in islamischen Ländern die Frauen aufwiegle, aber dürfe daheim auch nicht die Hosen herunterlassen.

Viele eingewanderte muslimische Frauen würden anfangs kein Kopftuch tragen, es später aber aufsetzen, weil sie sich abgrenzen und eine Parallelgesellschaft wollten. 

Tracht ein Zusammengehörigkeitsgefühl

Das Thema werde vielfach hochgeschaukelt, meinte Maria Hochgruber Kuenzer (SVP). Für Menschen fern der Heimat schaffe die Tracht ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Sie selbst trage in ihrem Heimatdorf auch oft Tracht, ohne damit andere stören zu wollen.

Sie sei gegen den Schleier als politisches Instrument, aber die Kleidung als Ausdruck der politischen Einstellung sei weit verbreitet. Auf jeden Fall gebe es dringendere Probleme.

Die weitere Behandlung des Antrags wurde auf die zweite Juli-Sitzung vertagt, da Landeshauptmann Arno Kompatscher, der zum Thema Stellung nehmen wollte, bei der Sitzung am Donnerstag nicht dabei sein kann. 

stol

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