Dabei soll es um millionenschwere Bauprojekte gehen, die nie vollendet wurden, weil der G8-Gipfel nicht auf der Insel, sondern in der vom Erdbeben zerstörten Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila stattfand. Die meisten Investitionsruinen können aus Sicherheitsgründen heute nur noch abgerissen werden.Die Staatsanwälte vernahmen den Bauunternehmer Diego Anemone, der Bertolaso angeblich Prostituierte zugeführt haben soll, um Vorteile bei der Bauvergabe zu bekommen. Vernommen wurden auch der am Mittwoch verhaftete Präsident von Italiens oberstem Rat für öffentliche Bauaufträge, Angelo Balducci, und der Staatsfunktionär Mauro Della Giovampaola. Der Verdacht gegen sie kam auf, als die Staatsanwälte in Florenz wegen lokaler Korruption ermittelten und dazu viele Telefonate abhören ließen. Ein betroffener Bauunternehmer sprach dabei auch über La Maddalena.Bertolaso hat laut Presseberichten vom Samstag erstmals möglich Unregelmäßigkeiten eingeräumt - er selbst habe sich allerdings nichts vorzuwerfen, stellte er klar. „Vielleicht hatte ich zu großes Vertrauen zu den falschen Personen. Aber ich bin leider so gemacht, dass ich anderen vertraue", erklärte Bertolaso demnach.Solidarisch mit Bertolaso zeigte sich auch Staatssekretär Gianni Letta. „Bertolaso ist eine außerordentliche Person, die unser Vertrauen nicht verraten hat“, versicherte er bei einer Preisverleihung in L'Aquila. Der Zivilschutzchef habe nach dem Erdbeben im April sehr viel für L'Aquila geleistet, das dürfe niemand vergessen.In die Diskussion gerät jetzt das immer beliebtere System unter italienischen Politikern, eilige Bauvorhaben und Veranstaltungsvorbereitungen nicht mehr auf dem normalen Wege zu planen. Um Bauprojekte in L'Aquila zügiger durchzusetzen, hatte Berlusconi Bertolaso mit Sondervollmachten ausgestattet. apa