Montag, 21. März 2022

Kreml dämpft Hoffnung auf Waffenruhe

Mehr als dreieinhalb Wochen nach Kriegsbeginn haben Vertreter Russlands und der Ukraine am Montag erneut verhandelt. Das Gespräch der offiziellen Delegationen habe am Vormittag gut eineinhalb Stunden gedauert, sagte der Fraktionsvorsitzende der ukrainischen Präsidentenpartei Sluha Narodu (Diener des Volkes), David Arachamija, der „Ukrajinska Prawda“ zufolge. Der Kreml dämpfte indes Hoffnungen auf eine Waffenruhe.

Kreml-Sprecher Dimitri Peskov forderte die internationale Gemeinschaft auf, Druck auf die Ukraine auszuüben. - Foto: © APA/AFP / NATALIA KOLESNIKOVA

Jede Pause würde von nationalistischen Einheiten genutzt, um sich neu zu formieren und die Angriffe auf die russischen Soldaten fortzusetzen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Montag in Moskau.

Arachamija äußerte sich nicht zu Inhalten der Gespräche. Nach den Verhandlungen seien die Beratungen auf Ebene der Arbeitsgruppen weitergegangen. „Heute arbeiten wir den ganzen Tag über“, sagte er.

Die Gespräche mit der Ukraine über einen Waffenstillstand sind nach russischen Angaben bisher ohne größeren Durchbruch geblieben. Es müssten noch erhebliche Fortschritte erzielt werden, bevor es eine Basis für ein Treffen zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj geben könne, sagte Peskow.

Kreml-Sprecher fordert Druck der internationalen Gemeinschaft

Der Kreml-Sprecher fordert die internationale Gemeinschaft auf, Druck auszuüben, damit die ukrainische Führung konstruktiver bei den Gesprächen sei. „Diejenigen, die können, sollten ihren Einfluss auf Kiew nutzen, um Kiew verhandlungsbereiter, konstruktiver bei diesen Verhandlungen zu machen.“

Die „internationalen Strukturen“ sollten auch Druck auf die Ukraine ausüben, damit mehr Menschen über die humanitären Korridore umkämpfte Städte verlassen könnten - „falls natürlich das offizielle Kiew irgendwelche Macht über die nationalistischen Einheiten hat“, sagte Peskow. Russland behauptet immer wieder, nationalistische Kämpfer in der Ukraine würden die Korridore sabotieren. Die Ukraine wiederum wirft russischen Truppen vor, die Zivilisten auf der Flucht zu beschießen.

„11 bis 12 Millionen Menschen vertrieben“

Der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak betonte am Montag auf Twitter, dass mehr als 3 Millionen Ukrainer in europäische Länder fliehen mussten. Insgesamt seien 11 bis 12 Millionen Menschen vertrieben worden, so Podoljak. „Russland zerstört die Leben von Millionen von Menschen. Ist das nicht eine globale humanitäre Katastrophe?“

Nach Meinung Podoljaks könnten die Verhandlungen mit Moskau über ein Ende des Kriegs noch „mehrere Wochen“ dauern. Allerdings gebe es inzwischen Anzeichen, dass Moskaus Position zuletzt „angemessener“ und realistischer worden sei. Genauere Angaben dazu machte er nicht.

Moskaus Maximalforderungen beinhalten die Neutralität der Ukraine sowie eine Entmilitarisierung des Nachbarlandes. Außerdem fordert Russland die Anerkennung der Krim als russisches Staatsgebiet sowie die Unabhängigkeit der Regionen Donezk und Luhansk. Die Ukraine hat bisher Kompromissbereitschaft bei den Gesprächen über die Neutralität des Landes signalisiert, fordert aber starke Sicherheitsgarantien des Westens. Zudem besteht Kiew auf territorialer Unversehrtheit.

Letzten Endes besteht Selenskyj darauf, sich direkt mit seinem Widersacher Putin zu Verhandlungen treffen. Der Kreml lehnt dies bisher ab.

Alle Berichte zum Krieg in der Ukraine finden Sie hier.

apa/stol

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