Mittwoch, 16. März 2022

Krisenrabatt auf den Sprit: „2 Euro sind die psychologische Grenze“

„2 Euro sind die psychologische Grenze“: Für viele Verbraucher sei die rasante Teuerung der Benzin- und Dieselpreise ein Schock gewesen, sagt Gunde Bauhofer von der Südtiroler Verbraucherzentrale. Am heutigen Mittwoch treffen sich die Vertreter der Verbraucherverbände in Italien mit jenen des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung. Bald entscheidet sich, ob der Staat die Verbrauchssteuern auf Treibstoff tatsächlich senkt. Es gelte, den Menschen jetzt zu helfen, sagt Bauhofer.

Einmal voll tanken – das geht ins Geld. - Foto: © ANSA / Alessandro Di Marco

Von:
Katrin Niedermair
Treibstoff war in Italien schon vor dem Krieg in der Ukraine teuer: Das liegt auch an den Verbrauchssteuern, den so genannten Akzisen. Diese hebt der Staat auf Verbrauchsgüter ein – und damit auch auf Kraftstoffe wie Benzin, Diesel, Flüssiggas und Methan. Kaum ein anderes Land in der EU hat höhere Verbrauchssteuern als Italien. Nun wird in Rom darüber diskutiert, diese zu senken.

„Über eine Kürzung der Akzisen in der Größenordnung von 10 Prozent wird diskutiert“, sagt Bauhofer. „Für den Staat würde das keine großen Mindereinnahmen bedeuten. Die Preisgrundlage ist gestiegen, damit auch die Mehrwertsteuereinnahmen – selbst, wenn die Akzisen gesenkt werden.“

Der Preis werde wohl auch nach einer möglichen Senkung der Verbrauchssteuer noch über der magischen Grenze von 2 Euro pro Liter bleiben. „2 Euro sind die psychologische Grenze. Ob es dann knapp darüber oder darunter ist, mag keinen großen Unterschied machen“: Den Schock nach der rasanten Teuerung könnte der staatliche Eingriff aber wohl etwas mildern.

Es lohnt sich, sein Nutzerverhalten unter die Lupe zu nehmen.
Gunde Bauhofer, Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Südtirol


In die Unkenrufe, statt Treibstoffpreise zu senken sollte der Staat nachhaltige Antriebsformen jetzt günstiger machen, mag Bauhofer nicht einstimmen: „Es ist eine große politische Diskussion, ob ein krisenbedingt hoher Preis ein Umdenken für Umwelt und Klima bringt.“ Gerade sei aber nicht die Zeit dafür: „Weg vom Individualverkehr – das ist ein eher langfristiges Ziel. Jetzt brauchen wir gezielte Eingriffe. Wir müssen jetzt sehen, wie wir den Menschen helfen.“

Trifft Sie der Preis-Schock an der Tankstelle? Stimmen Sie ab!



Unabhängig von staatlichen Maßnahmen könne aber jeder auch selbst aktiv werden: Kurzstrecken vermeiden (Bauhofer: „Diese haben einen besonders hohen Spritverbrauch.“); den Reifendruck kontrollieren („Ist er zu niedrig, steigt der Verbrauch“); Ballast aus dem Auto entfernen („Gepäckträger, die man nicht braucht, abmontieren“). Wo es gehe, rät Bauhofer dazu, Fahrgemeinschaften zu bilden: „Nicht alles ist überall machbar, aber es lohnt sich, sein Nutzerverhalten unter die Lupe zu nehmen.“

Dass der Rohölpreis kriegsbedingt dramatisch gestiegen sei und es „lieferbedingte Engpässe“ gebe, sei eine „volksverdummende Ausrede“ für die gestiegenen Preise an den Zapfsäulen, schreibt Peter W. Schroeder in seinem Kommentar.

Auch für die Wirtschaft sind die hohen Spritpreise ein Problem. So fordert der Wirtschaftsverband für Handwerk und Dienstleister, Spielräume bei den Steuern müssten genutzt werden.

Die Südtiroler Landesregierung hat angekündigt, eigene Spielräume ausnutzen zu wollen, sobald klar sei, was Rom plane.

kn

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