Dienstag, 12. Januar 2021

Kritik an Italiens neuem Pandemie-Plan

Italien arbeitet an einem neuen Pandemie-Plan für die Jahre 2021-2023. Der Entwurf des Gesundheitsministeriums, der den 20 italienischen Regionen unterbreitet werden muss, enthält eine Reihe von Maßnahmen im Umgang mit künftigen Pandemien und hat wegen einigen Aspekten bereits hitzige Debatten ausgelöst.

„Italia Viva“ drängt auf Investitionen in das Gesundheitswesen.
„Italia Viva“ drängt auf Investitionen in das Gesundheitswesen. - Foto: © ANSA / Mourad Balti Touati
Umstrittenen ist vor allem der Punkt laut dem das Gesundheitspersonal jenen Patienten Vorrang geben sollen, die bessere Genesungschancen haben, sollten Medikamente und andere Ressourcen knapp werden. Dies sei unannehmbar, protestierte die Regierungspartei „Italia viva“. Jeder habe das Recht zur Behandlung. Die Kleinpartei drängt seit Wochen die Regierung zu stärksten Investitionen im Gesundheitswesen.

Italien steht seit Monaten in der Kritik, weil ein nationaler Pandemie-Plan von 2006 nicht mehr aktualisiert wurde. Die Folge davon war laut Experten, dass die Spitäler nicht auf den großen Ansturm schwerkranker Coronavirus-Patienten vorbereitet waren, wodurch die Zahl der Todesopfer in der ersten Phase der Covid-19-Infektionswelle in Italien besonders in die Höhe getrieben wurde.

Die Staatsanwaltschaft von Bergamo, die eine ausgedehnte Untersuchung um mögliche Fahrlässigkeit im Umgang mit der ersten Phase der Coronavirus-Pandemie führt, will leitende Funktionäre des Gesundheitsministeriums befragen.

Die Staatsanwälte wollen klären, warum das Gesundheitsministerium den nationalen Pandemie-Plan von 2006 nicht mehr aktualisiert hat. Das Ministerium habe in den vergangenen Jahren nichts investiert, um den Plan in konkrete Maßnahmen umzusetzen, lautet der Verdacht.

apa