Kurz wollte am Nachmittag im Bundeskanzleramt den designierten FPÖ-Chef Norbert Hofer, SPÖ-Vorsitzender Pamela Rendi-Wagner, NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger und JETZT-Chefin Maria Stern treffen. Dabei soll es angesichts des angekündigten Misstrauensantrags wohl um die Duldung seiner Regierung gehen.Allerdings spielt die Opposition bei dem von Kurz einberufenen Gipfeltreffen der Parteiobleute nicht mit. SPÖ, FPÖ und JETZT schicken zu der Unterredung am Nachmittag einen Vize-Klubobmann, einen Klubchef und einen einfachen Abgeordneten. Nur die NEOS werden mit Partei- und Klubchefin Beate Meinl-Reisinger vertreten sein.Wird Misstrauensantrag gegen Kurz unterstütztBezüglich des Misstrauensantrags gegen Kanzler Kurz ist nach wie vor unklar, ob er genug Unterstützung bekommt. Die SPÖ ließ zuvor noch offen, ob sie Kurz am Montag das Misstrauen aussprechen wird. Nach einem Gespräch mit dem Regierungschef kritisierte Parteivorsitzende Rendi-Wagner neuerlich den ÖVP-Obmann, der keinen Konsens mit den anderen Fraktionen gesucht habe. Aus ihrer Sicht wäre der stabilste Übergang eine Regierung aus anerkannten parteiübergreifenden Persönlichkeiten gewesen.Nach derzeitigem Stand habe sie ein „ganz eindeutiges Bild”, nämlich, dass die letzten Tage und die letzten 17 Monate nicht dazu beigetragen hätten, eine gute Vertrauensbasis zu schaffen. Aus Rendi-Wagners Sicht wäre der stabilste Übergang eine Regierung gewesen, die aus anerkannten parteiübergreifenden Persönlichkeiten bestehe, ist sie auch mit der Auswahl Kurz' bezüglich des Ersatzes der FPÖ-Minister nicht zufrieden.„Ein Treppenwitz der Geschichte”Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder warnte unterdessen die SPÖ davor, gemeinsam mit der FPÖ Kanzler Kurz zu stürzen. Das wäre „ein Treppenwitz der Geschichte”, sagte der CSU-Chef am Donnerstag in einer Regierungserklärung im Landtag in München.Bildungsminister Heinz Faßmann - parteifrei, aber von der ÖVP nominiert - schloss eine weitere Regierungszusammenarbeit mit der FPÖ nicht aus. „Menschen sind lernfähig, auch Parteien können dazulernen. Da glaube ich nicht, dass man für alle Ewigkeit den Stab brechen darf”, sagte Faßmann am Donnerstag im Ö1-”Mittagsjournal”.FPÖ schießt weiter gegen KurzDie FPÖ schoss weiter scharf gegen Kurz. Herbert Kickl nahm am Tag nach seiner Entlassung auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen ins Visier. In einem Facebook-Eintrag bezeichnete der gefeuerte Innenminister den Bundespräsidenten als „Steigbügelhalter eines schwarzen Machtkartells”.„Kurz kann sich kein Vertrauen erwarten“, sagte Parteichef Norbert Hofer am Donnerstag im „Kurier”. Über eine Zustimmung zum Misstrauensantrag will er aber noch nicht entscheiden. Kickl agierte indessen weiter als Scharfmacher. Er warf „der alten ÖVP” vor, dass es ihr in Wahrheit darum gegangen sei, die Führung im Innenministerium zurückzuerobern.Die nun eingesetzten „sogenannten Experten” seien „Marionetten tiefschwarzer Kabinette, die allesamt mit Personen aus dem Beraterumfeld von Sebastian Kurz besetzt sind”. Als „Steigbügelhalter” habe dabei Van der Bellen agiert: „Die Verantwortung für das Aufgehen dieses Machtplans der ÖVP trägt Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Er hat sich von Kurz und seinen Beratern quasi übertölpeln lassen.”Die Übernahme der Amtsgeschäfte in den Ministerien erfolgte am Donnerstag bereits weitgehend. De facto haben die am Mittwoch für die scheidenden FPÖ-Regierungsmitglieder angelobten Minister ihre Arbeit aufgenommen, ergab ein APA-Rundruf am Donnerstag. Teilweise erfolgen die detaillierte Einarbeitung und Gespräche mit den leitenden Beamten aber erst kommende Woche, hieß es.Neue Minister angelobtFür Innenminister Herbert Kickl war am Mittwoch Ex-OGH-Präsident Eckart Ratz, für Sozialministerin Beate Hartinger-Klein Ex-Sektionschef Walter Pöltner, für Verteidigungsminister Mario Kunasek Offizier Johann Luif angelobt worden. Auf Verkehrsminister Norbert Hofer folgte Valerie Hackl, bis dato Chefin der Flugsicherung „Austro Control”.Die Sport- und Beamten-Agenden von Strache gingen auf ÖVP-Familienministerin Juliane Bogner-Strauß über. Und den Vizekanzler gibt nach dem Rücktritt von Heinz-Christian Strache (FPÖ) ab nun Finanzminister Hartwig Löger.Auch der von den Freiheitlichen entsandte Vorsitzende des Stiftungsrates des ORF, Norbert Steger, wird vorübergehend und aus gesundheitlichen Gründen pausieren. Mit den aktuellen bundespolitischen Entwicklungen habe des nichts zu tun: Er müsse sich einer Operation unterziehen, sagte Steger den „Salzburger Nachrichten”. Steger rechne damit, „einige Wochen oder Monate” auszufallen, zitiert ihn die Zeitung online. Den Vorsitz übernimmt sein Stellvertreter Franz Medwenitsch, Mitglied des bürgerlichen Freundeskreises. Die nächste Sitzung des obersten ORF-Aufsichtsgremiums findet am 6. Juni statt.Sozialdemokraten und Freiheitliche hätten Mehrheit Gemeinsam mit den Freiheitlichen hätten die Sozialdemokraten die notwendige Mehrheit, um dem Kanzler oder allenfalls der gesamten Regierung das Misstrauen auszusprechen. Dass die Liste JETZT für einen Misstrauensantrag ist, ist für den Erfolg des Vorhabens letztlich irrelevant. Würde die FPÖ nicht mitziehen und beispielsweise den Saal verlassen, blieben SPÖ und JETZT in der Minderheit gegenüber ÖVP und NEOS, die bereits angekündigt haben, einem Misstrauensantrag nicht zuzustimmen.Wie die Parteichefin der Liste JETZT, Maria Stern, nach einem Treffen mit Bundeskanzler Kurz am Mittwochnachmittag verlautbarte, wolle man weiterhin einen Misstrauensantrag gegen den Regierungschef einbringen. Dabei verwies sie auf die Oppositionsrolle ihrer Partei. Trotzdem sei es „ein sehr gutes Gespräch” gewesen. Kurz hatte Stern ins Bundeskanzleramt geladen. Es habe sich dabei um ein vertrauliches Gespräch gehandelt, berichtete Stern. Nur so viel: Es sei um die kommenden Monate gegangen. Die Liste-JETZT-Obfrau betonte auch, man wolle weiterhin über alle Parteigrenzen und Differenzen hinweg Gespräche führen. Den Misstrauensantrag gegen Kurz bezeichnete sie weiterhin als „richtig und wichtig”.Plädoyer für Verbleib von KurzWirtschaftskammer- und Wirtschaftsbundchef Harald Mahrer plädierte in einer Stellungnahme für den Verbleib von Kurz im Amt als Bundeskanzler. Auch Franz Fischler, Präsident des Europäischen Forums Alpbach, sprach sich in einer Aussendung am Donnerstag gegen ein Misstrauensvotum gegen Kurz aus.Arbeiterkammer-Chefin Renate Anderl legte sich am Donnerstag auf keine Empfehlung für das anstehende Misstrauensvotum gegen Kurz fest. Bis zum Zeitpunkt der Abstimmung würden noch viele Gespräche anstehen, die Entscheidung darüber werde in der SPÖ getroffen, so Anderl bei einer Pressekonferenz.Unterredung am FreitagvormittagDie Unterredung mit den Landeshauptleuten ist für Freitagvormittag im Bundeskanzleramt angesetzt. Bei dem Gespräch mit den Landeshauptleuten werde es unter anderem um die Arbeit in den kommenden Wochen gehen. Auch darum, wie ein Stillstand und eine politische Blockade vermieden bzw. die Handlungsfähigkeit Österreichs erhalten werden könne.Europaminister Gernot Blümel (ÖVP) ging am Donnerstag davon aus, dass Kurz - obwohl er sich am Montag dem Misstrauensvotum stellen muss - am kommenden Dienstag an dem auf die EU-Wahl folgenden informellen Gipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs in Brüssel teilnehmen wird. „Alles andere wäre eine bemerkenswerte Situation”, von der er nicht ausgehe - „denn die Regierung ist handlungsfähig”, sagte Blümel in Brüssel.apa