Insgesamt fiel das Statement des Bundeskanzlers nach dem Bundesparteivorstand seiner Partei sehr kurz aus. Es gebe in der ÖVP 100 Prozent Zustimmung für seinen Kurs, sagte er. Die Partei sei sowohl nach dem Video als auch nach der Reaktion der FPÖ im Anschluss daran erschüttert.Man habe gezeigt, dass es hier einen falschen Zugang zur Politik gebe. „Das Video hat zu einem plötzlichen Ende der Koalition geführt, die Zusammenarbeit zerstört und unserem Ansehen in aller Welt geschadet“, erklärte Kurz.Aufruf zur EuropawahlZiel der Partei sei es, den bisherigen Kurs fortzusetzen und zu stärken, „ohne den Hemmschuh, den wir hier die ganze Zeit erleben mussten“. Mit dem Bundespräsidenten Alexander van der Bellen sei er einig, dass volle Aufklärung aller Verdachtsmomente im Zusammenhang mit dem Ibiza-Video der FPÖ aufgeklärt werden müssten. Zum weiteren Vorgehen bis zur Neuwahl, vor allem zu den Regierungsmitgliedern der FPÖ, sagte er nichts außer: „Wir brauchen stabile Verhältnisse in Österreich.“Im Anschluss an die nur wenige Minuten dauernde Ansprache verließ Sebastian Kurz umgehend wieder den Saal, Fragen der Journalisten waren nicht zugelassen. Viele Antworten blieb der Bundeskanzler weiterhin schuldig.Trotz allem rief der Bundeskanzler erneut zur Teilnahme an den Europawahlen auf. „Ich verstehe, dass andere Sachen gerade dringender wirken, aber diese Wahlen sind wichtig.“ Wie geht es weiter?Im Video, das zum Rücktritt von Vizekanzler Heinz-Christian Strache und zum Bruch der ÖVP-FPÖ-Koalition geführt hat, werden möglicherweise illegale Parteispenden an die FPÖ thematisiert. Im Juli 2017, dem Zeitpunkt der heimlichen Aufnahmen, war Kickl FPÖ-Generalsekretär. „Klar ist, dass Kickl nicht gegen sich selbst ermitteln kann“, sagte Kurz dem „Kurier“ (Montag).Formal muss Bundespräsident Alexander Van der Bellen nach einem solchen Vorschlag den Minister seines Amtes entheben. Sollte Kickl entlassen werden, will die FPÖ alle ihre Minister aus dem Kabinett abziehen. Es gilt als sicher, dass dann Beamte und Experten diese Ressorts bis zu den geplanten Neuwahlen im September leiten werden.In dem von „Spiegel“ und „Süddeutscher Zeitung“ veröffentlichten Video hatte Strache einer angeblichen russischen Oligarchen-Nichte unter anderem öffentliche Aufträge in Aussicht gestellt, sollte sie der FPÖ zum Erfolg bei den Nationalratswahlen 2017 verhelfen. dpa/stol