Freitag, 24. April 2020

Kurz will Grenzöffnung zunächst nur zu Nachbarländern – Italien nannte er nicht

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat sich „sehr zurückhaltend“ bezüglich einer über die Nachbarländer hinausgehende Liberalisierung des Urlauberverkehrs geäußert. „Ich glaube, dass es natürlich unser Ziel sein muss, dass wir schrittweise die Reisefreiheit wieder herstellen, aber wir werden das zunächst einmal mit unseren Nachbarn tun können, die gut unterwegs sind“, so Kurz am Freitag zur APA.

Bundeskanzler Kurz konferierte mit anderen Staatschefs via Video.
Bundeskanzler Kurz konferierte mit anderen Staatschefs via Video. - Foto: © ROLAND SCHLAGER
Kurz äußerte sich in Wien nach einer Videokonferenz mit Amtskollegen von 6 Staaten, die im Kampf gegen das Coronavirus besonders erfolgreich gewesen seien. Unter ihnen war neben Tschechien auch Griechenland. Auf die Frage, ob sich die Österreicher nun Hoffnungen auf einen Ägäis-Urlaub machen können, sagte Kurz: „Da wäre ich sehr zurückhaltend“. Vielmehr brachte er neuerlich Nachbarländer Österreichs, „die gut unterwegs“ seien, ins Spiel und nannte konkret Deutschland und Tschechien.

„Aber das wird noch Wochen dauern“, fügte Kurz in Anspielung auf die Grenzöffnung zu diesen Staaten hinzu und bekräftigte seinen Aufruf, doch Urlaub in Österreich zu machen. „Ich persönlich werde meinen Sommerurlaub in Österreich verbringen und kann nur empfehlen, es genauso zu machen.“

Auf die Frage, ob es nicht gefährlich sei, sich durch Grenzöffnungen in Abhängigkeit von den Corona-Strategien anderer Länder zu begeben, sagte Kurz: „Man sollte sehr vorsichtig sein. Das sind wir auch.“ Man müsse „sehr behutsam“ agieren. „Man kann definitiv nur über das Öffnen von Grenzen mit Ländern nachdenken, die eine ähnlich niedrige Infektionszahl haben wie wir. Reisefreiheit zu Ländern zu gewähren, wo die Infektionszahlen hoch sind, wäre Wahnsinn, weil das führt sofort wieder zu einem Import der Krankheit aus dem Ausland“, betonte der Bundeskanzler.

In der Coronakrise sucht Bundeskanzler Kurz die Kooperation mit „smarten“ Ländern innerhalb und außerhalb Europas. Nach einer Videokonferenz mit seinen Amtskollegen aus Australien, Neuseeland, Israel, Dänemark, Tschechien und Griechenland sagte Kurz am Freitag in Wien der APA, man wolle unter anderem bei der Forschung nach Impfstoffen und Medikamenten kooperieren.

Es handle sich allesamt um Länder, „die ähnlich wie wir früh und intensiv reagiert haben und somit besser durch die Krise gekommen sind als andere“, sagte Kurz. Mit Scott Morrison (Australien), Jacinda Ardern (Neuseeland), Benjamin Netanyahu (Israel), Mette Fredriksen (Dänemark), Andrej Babis (Tschechien) und Kyriakos Mitsotakis (Griechenland) habe er darüber beraten, „wie man die Länder bestmöglich hochfahren kann, die Wirtschaft wieder ankurbeln kann und gleichzeitig das Virus unter Kontrolle behalten kann“, sagte der Bundeskanzler.

„Die geografische Lage ist höchst unterschiedlich, aber es sind alles kleinere Länder, smarte Länder“, sagte Kurz auf die Frage nach den Gemeinsamkeiten der doch sehr unterschiedlichen Staaten. Sie hätten allesamt „rechtzeitig reagiert“ und könnten nun ihre Wirtschaft früher wieder hochfahren. Ebenfalls Teil der Gruppe sei Singapur, dessen Regierungschef aber aus terminlichen Gründen nicht an der Videokonferenz habe teilnehmen können. Es gebe „noch den einen oder anderen Kandidaten, der wahrscheinlich gut in diese Runde passt“, deutete Kurz eine Erweiterung des Kreises an.

Es sei auch eine Zusammenkunft von Verantwortlichen im Forschungsbereich in Wien vereinbart worden, um bei der Forschung an einem Impfstoff und Medikamenten sowie bei der Produktion von Schutzausrüstung zu kooperieren. Ziel sei es, dass die kleineren Staaten autarker werden und nicht nur von den großen Supermächten abhängig seien, so Kurz. Österreich wolle auch von den Erfahrungen von Ländern wie Australien und Neuseeland lernen, die früher vom Coronavirus betroffen gewesen seien als europäische Staaten. Mit den sechs Staaten habe Österreich schon in den vergangenen Wochen und Monaten „intensiv zusammengearbeitet“.

apa