Montag, 18. Juli 2016

Ladiner fordern Einheit in Südtirol

1500 Ladiner aus allen 5 ladinischen Dolomitentälern haben am Sonntag bei einer Kundgebung am Sellajoch die Vereinigung Ladiniens in Südtirol gefordert.

1500 Ladiner aus allen 5 ladinischen Dolomitentälern forderten am Sonntag bei einer Kundgebung am Sellajoch die Vereinigung Ladiniens in Südtirol. - Foto: sch
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1500 Ladiner aus allen 5 ladinischen Dolomitentälern forderten am Sonntag bei einer Kundgebung am Sellajoch die Vereinigung Ladiniens in Südtirol. - Foto: sch

Bereits vor 70 Jahren – am 14. Juli 1946 – hatten 3000 Ladiner aus allen Tälern die Wiedervereinigung mit Südtirol gefordert. Dazu kam es nie, obwohl die Ladiner in Anpezo/Cortina d’Ampezzo, Fodom/Buchenstein und Col/Colle S. Lucia unzählige Male die Angliederung an Südtirol forderten.

Auch ein Referendum im Oktober 2007, bei dem sich in den 3 Brixner-tirolischen ladinischen Gemeinden in der Provinz Belluno 78,86 Prozent der Abstimmenden für die Angliederung ihrer Heimat an Südtirol aussprachen, wurde ignoriert.

Am Sonntag wurde an die Kundgebung von 1946 erinnert. In ihren bunten Trachten boten die Ladiner ein farbenprächtiges Bild, als sie von Salei zur Kapelle am Sellajoch marschierten, wo die eigentliche Kundgebung stattfand.

Dort wurden die 5 wichtigsten Forderungen der Ladiner erneuert: Sie sind in einer Erklärung zusammengefasst, die der Dachverband der ladinischen Kulturvereinigungen, die Union Generela di Ladins dla Dolomites, den Landeshauptleuten von Südtirol und Trentino, Arno Kompatscher und Ugo Rossi, und dem Südtiroler Autonomiekonvent übergeben werden.

Die Forderungen basieren auf einem Memorandum von Lois Trebo und Erwin Valentini; sie wurden von dem Fassaner Juristen Andy Rossi überarbeitet.

Im Folgenden die Forderungen im Wortlaut:  

Erklärung der Union Generela di Ladins dla Dolomites (UGLD) hinsichtlich der Überarbeitung des Autonomiestatutes der Region Trentino - Südtirol

Die Union Generela di Ladins dla Dolomites UGLD und deren fünf autonomen Sektionen von Gherdëina/Gröden, Val Badia/Gadertal, Fascia/Fassatal, Fodom/Buchenstein, Anpezo/Ampezzo, unterbreitet folgende Vorschläge im Zuge der Reform des Dritten Autonomiestatutes der Region Trentino - Südtirol

  1.  Die Notwendigkeit einer Koordinierung zwischen dem Südtiroler  Konvent und Forum und dem Beirat der Provinz Trient:
    Die Unterzeichner betrachten den Reformprozess, der die Region betrifft und zweigleisig vorangetrieben wird, mit großer Sorge. Die Bevölkerung der Region sollte den Vorschlag für ein neues Statut  einheitlich ausarbeiten. Eine gemeinsame Vorgangsweise ist unumgänglich. Die UGLD ersucht deshalb um Koordinierung des Südtiroler Konvents und Forums und dem Beirat der Provinz Trient, vor allem in der „Quaestio Ladina“, der Ladinerfrage, um einer ungleichen Behandlung der Sellaladiner vorzubeugen.
     
  2.  Das Referendum vom 28. und 29. Oktober 2007, in Fodom/Buchenstein, Col/Colle Santa Lucia und Anpezo/Ampezzo soll umgesetzt werden Die Region ist die politisch-verwaltungstechnische Einheit, die die ladinische Minderheit rund um den Sellastock zusammenhält. Daher verlangt die UGLD die notwendigen Garantien für eine einheitliche und gleichwertige rechtliche Behandlung der Ladiner, die immer noch auf drei Provinzen und zwei Regionen aufgeteilt sind. Innerhalb des Reformprozesses des Autonomiestatutes fordern wir die Umsetzung des im Jahre 2007 in Fodom/Buchenstein, Col/Colle Santa Lucia und Anpezo/Ampezzo durchgeführten Referendums. Wegen der Trägheit des italienischen Parlaments hinsichtlich des Referendums und der Eingliederung dieser Gemeinden in die Region Trentino-Südtirol, ersuchen wir die Regionalratsabgeordneten und Landtagsabgeordneten, die zwei Präsidenten der Provinzen, Arno Kompatscher und Ugo Rossi, und die in der Region Trentino-Südtirol gewählten Parlamentarier, sich der Ladinerfrage anzunehmen, um sie politisch voranzutreiben. Diese Forderung gilt nicht nur für die vom Referendum betroffenen Ladiner, sondern für die ganze ladinische Minderheit, da eine solche Vorgangsweise eine ernsthafte Gefahr für die Einheit der Ladiner darstellt. Die UGLD fordert die Durchführung des Integrationsprozesses der drei ladinischen Gemeinden noch vor dem Ende des regionalen Reformprozesses, für eine rechtlich einheitliche Berücksichtigung der ladinischen Minderheit in ihrer Einheit und Gesamtheit.
     
  3.  Anerkennung der einheitlichen ladinischen Schriftsprache Die UGLD fordert, dass das neue Autonomiestatut die einheitliche ladinische Schriftsprache anerkennt, damit sie innerhalb der öffentlichen Verwaltung die offizielle Sprache wird. Dies wird den Ladinern gestatten, sich untereinander in der selben Sprache zu verständigen. Darüber hinaus würde diese Anerkennung zu einem höheren Prestige und einer allgemeinen Aufwertung der ladinischen Sprache führen.
     
  4. Die Notwendigkeit einer einheitlichen rechtlichen Behandlung der ladinischen Minderheit
    Die gegenwärtige Trennung der ladinischen Sprachminderheit ist ein großes Hindernis für die sprachliche, kulturelle und politische Gleichbehandlung der Ladiner.
    In Südtirol gilt gegenwärtig das Proporzsystem zwischen den drei Sprachgruppen, deren Schutz mittels Durchführungsverordnungen zum Statut gesichert werden. Neben ebendiesen sichern in der Provinz Trient allfällige Landesgesetze den Schutz der Ladiner im Fassatal. In Fodom/Buchenstein, Col/Colle Santa Lucia und Anpezo/Ampezzo wird der Schutz der Minderheit lediglich durch das Regionalgesetz Nr. 3/1994 und das Staatsgesetz Nr. 482/1999 geregelt, zudem auch noch mit weniger Ressourcen. Dies führt zu einer erhöhten Ungleichheit in der Behandlung der Mitglieder ein und der selben ladinischen Minderheit. Als Fallbeispiel dient die Tatsache, dass sogar zwischen den Autonomen Provinzen Bozen und Trient jegliche Koordinierung und Kooperation in den Bereichen Schule und Weiterbildung der Ladiner.
     
  5. Die Notwendigkeit einer Stärkung der politischen Vertretung der Ladiner in den zwei Provinzen, der Region und im Staat.
    Die Sellaladiner sollen bei politischen Entscheidungen in der Region, den zwei Provinzen und im Staat stärker berücksichtigt werden, weil sich die ladinischen Täler im Herz der „Dolomiten Unesco Weltnaturerbe“ befinden, einem für den Tourismus und die Wirtschaft der gesamten Region sehr wertvollen Gebiet, sowohl vom naturalistischen und vor allem vom kulturellen Gesichtspunkt.

stol/sch

stol