Im Interview pocht die 66-jährige Eppanerin auf ein Klimagesetz und erörtert ihre Ansicht eines „gewinnbringenden Tourismus für alle“. <BR /><BR /><b>Frau Ladinser, bei Ihrer Rede als neugewählte Präsidentin legten Sie sogleich Landeshauptmann Arno Kompatscher und Landesrat Peter Brunner mehr Mut zum Handeln ans Herz. Wo sehen Sie die größten Widersprüche zwischen Worten und Taten?</b><BR />Elisabeth Ladinser: In meinen Augen besteht der größte Widerspruch im ambitionierten Klimaplan und den Dingen, die tatsächlich passieren. Der Klimaplan des Landes zielt auf die Klimaneutralität bis 2040 ab, hierfür muss man zuallererst die CO₂-Emissionen drastisch drosseln. Das geht aber nicht, wenn man die Straßen immer weiter ausbaut, beispielsweise große Kreuzungen in Ehrenburg, Olang und Innichen baut, die alle nicht notwendig sind. Wenn ich dann höre, wir setzen auf die E-Mobilität, sage ich, auch diese ist wegen des Ressourcenverbrauchs kritisch zu hinterfragen. Wir alle müssen unser Mobilitätsverhalten ändern und stärker auf die Öffis umsteigen. <BR /><BR /><b>In dieser Hinsicht ist das Land nicht untätig, wie etwa der Bau der Riggertalschleife und nun auch der geplante Ausbau der Bahn zwischen Meran und Bozen zeigen, oder?</b><BR />Ladinser: Ja, in diesem Fall möchte ich die Gesamtstrategie der federführenden Gesellschaft STA ausdrücklich loben, denn wenn man die Fahrten gut vertaktet und die Anbindungen funktionieren, dann werden immer mehr Leute die Öffis bevorzugen. Allerdings wünsche ich mir oftmals konsequenteres Handeln und Durchgreifen. Wie überall gibt es auch gegen den Ausbau der Bahn Widerstände. Wenn man danach für die Zugfahrt von Meran nach Bozen nur 26 Minuten benötigt, dann lassen die Menschen das Auto stehen und werden diese Alternative zu schätzen wissen. Auch deshalb sage ich: mehr Mut!<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1133475_image" /></div> <BR /><b>Diese Einstellung passt auch zu Ihrer Aussage, dass Sie bei Bedarf den Konflikt nicht scheuen, sehr wohl aber den Dialog anbieten und mit der Politik kooperieren wollen. Wo sollen in erster Linie die Hebel angesetzt werden?</b><BR />Ladinser: Wir wollen mit Argumenten und Überzeugungsarbeit die Themen weiterbringen und so gute Lösungen für die gesamte Gesellschaft erzielen. Zuallererst denke ich dabei an ein Klimagesetz, denn nur so können verbindliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. Übrigens betrachte ich es als Zeichen der Wertschätzung für unseren Dachverband, dass so viele politische Mandatsträger zu unserer Versammlung am Freitag gekommen sind. <BR /><BR /><b>Ihr Vorgänger Josef Oberhofer hat zum Abschluss eine ernüchternde Bilanz gezogen, vor allem der Tourismus habe für Natur und Umwelt nichts übrig. Wie sehen Sie das?</b><BR />Ladinser: Josef Oberhofer hat hervorragende Arbeit für den Verband geleistet, grundsätzlich stimme ich ihm zu. Man muss einfach Grenzen setzen, wir brauchen nicht noch mehr Übernachtungen. Mir ist bewusst, dass wir durch den Tourismus groß geworden sind und von ihm leben, ich selbst bin in einem Gästebetrieb aufgewachsen. Aber in vielen Teilen Südtirols hat es Ausmaße angenommen, die uns überfordern. Ich stehe für einen Tourismus ein, der den Menschen zuträglich und für die Natur verträglich ist, also einen wirklich gewinnbringenden Tourismus, der uns noch Luft zum Atmen lässt. <BR /><BR /><b>Woher kommt Ihre Motivation für den Umweltschutz?</b><BR />Ladinser: Ich bin schon über 20 Jahre beim Verband tätig, hatte etwa die Idee zum Mendel-Radtag. Aber ja, ich bin eigentlich in Pension und sollte Ruh geben. Mir liegt die Thematik aber sehr am Herzen. Ich möchte mir nicht von meinen Kindern und womöglich mal meinen Enkeln nachsagen lassen, dass ich nichts für den Erhalt der Umwelt getan hätte.