Donnerstag, 27. August 2020

Lampedusa: Hunderte Migranten gehen an Bord von Quarantäneschiff

Während der Streit zwischen der Region Sizilien und der Regierung in Rom wegen der Schließung von Flüchtlingseinrichtungen weitergeht, sind am Donnerstag 700 Migranten, die sich auf der Mittelmeerinsel Lampedusa befinden, an Bord eines Quarantäneschiffes gegangen. Das Schiff „Azzurra“, auf dem die Migranten eine zweiwöchige Quarantäne verbringen werden, liegt vor Lampedusa vor Anker.

Das Schiff „Azzurra“, auf  Migranten eine zweiwöchige Quarantäne verbringen sollen, liegt vor Lampedusa vor Anker.
Das Schiff „Azzurra“, auf Migranten eine zweiwöchige Quarantäne verbringen sollen, liegt vor Lampedusa vor Anker. - Foto: © ANSA / ELIO DESIDERIO
Vor Lampedusa befindet sich ein weiteres Quarantäneschiff, die „Aurelia“, mit 220 Migranten an Bord. Mit den Quarantäneschiffen soll der Hotspot Lampedusas entlastet werden, in dem bis Mittwoch 1200 Personen untergebracht waren. Am Donnerstag landete eine Gruppe von Tunesiern direkt im Hafen der Insel. Sie wurden von den Sicherheitskräften identifiziert und zum Hotspot geführt, wo sie Covid-Tests unterzogen wurden.

Sizilien weiter im Streit mit italienischer Regierung

In Italien eskaliert der Streit zwischen Sizilien und der Regierung in Rom über den Umgang mit der steigenden Zahl von Migranten. Die Regierung legte am Mittwoch vor dem Verwaltungsgericht (TAR) in Palermo Widerspruch gegen das Vorgehen des Regionalpräsidenten Nello Musumeci ein. Anlass ist die Anordnung Musumecis, die Aufnahmezentren der Insel zu räumen, die Menschen an andere Orte zu schicken und keine Bootsmigranten mehr aufzunehmen. Musumeci verlangt, dass alle Migranten von Lampedusa auf das italienische Festland gebracht werden ( STOL hat berichtet). Rom bestreitet, dass solche Maßnahmen in seine Kompetenz fallen.

„Die Regierung und der Staat stehen den Sizilianern und der Insel Lampedusa nahe, die wegen der Flüchtlingsproblematik eine schwierige Phase erleben“, versicherte der Minister für Süditalien, Giuseppe Provenzano, laut Medienangaben. Er kritisierte eine Instrumentalisierung der Migrationsströme für politische Propaganda.

„Gefährdung der öffentlichen Gesundheit


Die Mitte-Rechts-Parteien beobachten mit Argusaugen den Streit zwischen dem sizilianischen Präsidenten und der Regierung in Rom. „Unsere Häfen sollen für Touristen und nicht für Schlepper mit illegalen Migranten offen sein“, kommentierte der Chef der rechten Lega und Ex-Innenminister Matteo Salvini.

17.604 Migranten sind seit Anfang 2020 in Italien nach Fahrten über das Mittelmeer eingetroffen. Im Vergleichszeitraum 2019 waren es 4878. Die Lega wirft der Regierung um Premier Giuseppe Conte vor, mit ihrer Migrationspolitik die öffentliche Gesundheit zu gefährden. Mehrere Migranten wurden positiv auf Covid-19 getestet und seien dann von den Hotspots geflohen, in denen sie sich einer zweiwöchigen Quarantäne unterziehen hätten müssen.

apa