„Ich habe den Bürgermeister seit Stunden zu erreichen versucht, um ihn zu stoppen. Es war nicht möglich, ihn ans Telefon zu bekommen. Aber der Baustopp ist erlassen“, sagt Karin Dalla Torre.<BR /><BR />„Das Kasernenareal ist als Anlage kulturhistorisch bedeutend – unabhängig vom Denkmalschutz“, sagt die Landeskonservatorin. Deshalb sei auf ihre Veranlassung hin bereits vor einiger Zeit eine umfassende Bauforschung für das gesamte Areal begonnen worden. „Der Bürgermeister war damit einverstanden. Vereinbart war, dass wir die Ergebnisse der Bauforschung vor allem für das Kommando-Gebäude abwarten.“ Dieses sei architektonisch bedeutend: „Zum Teil wurde es als Verwaltungsgebäude, zum Teil als Mensa und Wohnanlage genutzt. Deshalb sind hochwertige Materialien verarbeitet worden.“ Auch der spektakuläre Treppenaufgang sei prägnant.<BR /><BR />Dass nun im Morgengrauen die Bagger aufgefahren seien, habe sie überrascht: „Ich hatte aufgrund der klaren Absprachen nicht mit dieser Vorgehensweise gerechnet. Mir war es wichtig, mit dem Bürgermeister einen Dialog zu führen und überzeugend einzuwirken.“<BR /><BR /> <video-jw video-id="hyGa5snP"></video-jw> <h3> „Sämtliche verwaltungs- und strafrechtlichen Maßnahmen des Kodex greifen“</h3>Der Masterplan für die Entwicklung des Areals liegt schon seit Jahren in den Schubladen der Gemeinde. Bürgermeister Dieter Pinggera sagte am Mittwochmorgen zu STOL, alle Genehmigungen lägen vor. Der Abriss sei völlig ordnungsgemäß. <a href="https://www.stol.it/artikel/politik/wenn-in-der-nacht-die-baumaschinen-kommen-ist-etwas-faul" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">(Lesen Sie hier mehr.)</a><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="818342_image" /></div> <BR /><BR />Karin Dalla Torre sieht das anders: „Das Kasernenareal steht nicht unter Denkmalschutz. Aber hierbei handelt es sich um ein öffentliches Gebäude, das älter als 50 Jahre ist.“ Bei solchen Gebäuden sei der Eigentümer verpflichtet, vor dem Abbruch bei der Landeskonservatorin einen Antrag auf Feststellung des kulturellen Interesses einzureichen. „Uns liegt kein solcher Antrag vor“, sagt Dalla Torre. „Das bedeutet, dass Abbruch bzw. Teilzerstörung gemäß Kodex der Kultur- und Landschaftsgüter unrechtmäßig sind. Sämtliche verwaltungsrechtlichen und strafrechtlichen Maßnahmen greifen, die der Kodex vorsieht.“ Hätte es einen solchen Antrag gegeben, hätte sie das kulturelle Interesse als gegeben erklärt, ergänzt die Landeskonservatorin.<BR /><BR />Den Baustopp hat sie um 10.35 Uhr offiziell hinterlegt. „Der nächste Schritt ist ein Lokalaugenschein. Wir werden feststellen, ob kulturhistorisch Wertvolles zerstört worden ist. Dann werden nächste Schritte gesetzt.“ Bis dahin müssen die Arbeiten ruhen. <h3> „Persönlich sehr enttäuscht“</h3>Die Dringlichkeitsverordnung über den Abriss habe der Bürgermeister erst am Dienstagabend erlassen. „Ich bin sehr enttäuscht. Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen und bin traurig, dass eine solche Vorgangsweise möglich ist“, sagt Dalla Torre. „Es hat keinen Grund gegeben, so ohne Absprache vorzugehen.“ Sie lege Wert auf guten Dialog, um Überzeugungsarbeit zu leisten. „Natürlich ist es wegen seines Entstehungszeitpunktes ein schwieriges Baudenkmal. Aber wenn wir vergangenes Unrecht lebendig halten wollen, damit es nicht in Vergessenheit gerät, dürfen wir seine Zeichen auch nicht verschwinden lassen. Es ist wichtig, den historischen Kontext zu beschreiben, nicht zu verschweigen. Die Kaserne erzählt einen Teil der Geschichte von Schlanders.“<BR /><BR />Zu den schwerwiegenden Sicherheitsbedenken, die in der Dringlichkeitsverordnung zum Abriss genannt seien, sagt Dalla Torre: „Ich war zuletzt im April in dem Gebäude. Woher eine Gefährdung kommen soll, verstehe ich nicht.“ Wäre eine solche gegeben gewesen – „vielleicht hat sich die Lage ja in den letzten Monaten verschlechtert“ – wäre auch eine bessere Absperrung eine Option gewesen.<BR /><BR />Der Baustopp gilt einstweilen jedenfalls für alle Parzellen auf dem Areal.