Freitag, 27. August 2021

Landesrat Alfreider: „Ladinische Kultur weiterentwickeln und stärken“

Die ladinische Kultur weiterentwickeln, die Identität der Ladiner stärken und Bildung in Präsenz ermöglichen: Diese Ziele nannte Ladiner-Landesrat Daniel Alfreider beim Gespräch mit den ladinischen Medien am Grödner Joch.

Mathias Stuflesser (von links), Edith Ploner, Landesrat Daniel Alfreider und Leander Moroder wollen gemeinsam für die Entwicklung der ladinischen Kultur weiterarbeiten.
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Mathias Stuflesser (von links), Edith Ploner, Landesrat Daniel Alfreider und Leander Moroder wollen gemeinsam für die Entwicklung der ladinischen Kultur weiterarbeiten. - Foto: © LPA/Ingo Dejaco
„In den kommenden Monaten arbeiten wir verstärkt an der Digitalisierung für die Weiterentwicklung in der Kultur und die Stärkung der Identität der ladinischen Gemeinschaft. Im Bildungsbereich liegt der Fokus auf dem Präsenzunterricht und der Mehrsprachigkeit“, fasste der Landesrat für ladinische Bildung und Kultur Daniel Alfreider die wichtigsten Vorhaben für die kommenden Monate zusammen.

Am Verbindungspunkt des Grödner- und des Gadertals, am Grödner Joch, gab Alfreider gemeinsam mit Schulamtsleiterin Edith Ploner, dem Direktor der Landesabteilung ladinische Kultur Mathias Stuflesser und dem Direktor des ladinischen Kulturinstituts Micurá de Rü Leander Moroder Rück- und Ausblick auf die Arbeit für die ladinische Schule und Kultur.

Möglichst viel Präsenz in Schule und Kindergarten

Für die Weiterentwicklung der ladinischen Bildung und Kultur bleibe das Autonomiestatut die wichtige rechtliche Basis, gerade was die Mehrsprachigkeit und Qualität des Unterrichts betreffe, erinnerte der Landesrat.

In der Zeit der Corona-Pandemie war und ist es laut Alfreider wichtigstes Ziel, Schule und Kindergarten in Präsenz anzubieten, um den Kindern und Jugendlichen bestmögliche Teilhabe an Bildung zu bieten. Im vergangenen Bildungsjahr hat der Lehrbetrieb am ladinische Kindergarten trotz Corona zu 94 Prozent in Präsenz stattgefunden, an der Grundschule zu 91, der Mittelschule zu 77 und der Oberschule zu 73 Prozent. „Wir haben durch unsere Teststrategie im vergangenen Bildungsjahr an den ladinischen Kindergärten und Schulen 4659 Quarantäne-Fälle vermieden“, zeigte sich Alfreider zufrieden.

Um den Kindern und Jugendlichen angemessene Lernorte bereitzustellen, aber auch, um Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen, werden auch die Bildungsinfrastrukturen modernisiert. So gab es Arbeiten an der Mittelschule in Sëlva/Wolkenstein, am Kunstlyzeum sowie der Wirtschaftsfachoberschule in Urtijëi/St. Ulrich und am Schülerheim und am Kindergarten in Mareo/Enneberg. Außerdem entsteht in La Ila/Stern ein neues Schulzentrum.

Mehrsprachigkeit soll an ladinischen Schulen gefördert werden

Schulamtsleiterin Edith Ploner nannte die Projekte zur Mehrsprachigkeit als bedeutende Vorhaben auch für die kommenden Jahre. Es gelte, die Kompetenzen zu überprüfen und auszubauen, sagte Ploner. Zudem sei es wichtig, ein Profil für das ladinische Schulamt auszuarbeiten, soziale Kompetenzen bei den Schülerinnen und Schülern zu stärken und die Ausbildung der Lehrpersonen und aller, die im Bildungsbereich arbeiten, mit neuen Methoden zu fördern.


In der Pandemiezeit hat die ladinische Kulturabteilung Kunstschaffende und Kulturorganisationen unterstützt. „Insgesamt haben wir den Kunstschaffenden und Kulturorganisationen 2020 und 2021 insgesamt 170.000 Euro als Corona-Hilfen ausbezahlt“, sagte Alfreider. Von 2019 bis 2021 wurden 340 Anträge um Zuschüsse seitens ladinischer Kulturorganisationen positiv begutachtet.

Abteilungsdirektor Mathias Stuflesser berichtete, dass 2 Amtsdirektionen für die ladinische Kultur besetzt werden konnten, was die Arbeit der Abteilung verbessere.

Um den Erhalt und die Weiterentwicklung der ladinischen Sprache sicherzustellen, arbeite das Kulturinstitut weiter an Wörterbüchern und Grammatiken, aber auch an einem automatischen Übersetzungssystem, erklärte Kulturinstitutsdirektor Leander Moroder. Als neues Vorhaben kündigte Moroder die Ergänzung der bestehenden ladinischen App mit Wörterbüchern mit weiteren ladinischen Idiomen an.

Über die Jugendorganisationen „Sorvic ai Jogn“und „Neus Jeuni Gherdeina“ hat das ladinische Ressort auch die Jugendlichen unterstützt, die für 642 Kinder und Jugendliche Sommeraktivitäten organisiert haben. Unterstützt wurde auch der Bau der Hütte für Jugendgruppen „Ütia de Pütia“ am Würzjoch.

Zukunftsprojekte: Identitätskarte, Sprachgruppenzählung und Paladina-Webseite

Als wichtigen Moment für die Ladiner im heurigen Oktober nannte Landesrat Alfreider die Sprachgruppenzählung. Es gelte, möglichst viele Ladiner dazu zu bewegen, eine Erklärung abzugeben, um Stärke zu zeigen, betonte der Landesrat. Ein weiteres Projekt zur symbolischen Stärkung der Identität der Ladiner sei die neue Identitätskarte, die auch auf Ladinisch abgefasst sein soll.

Wichtig für die Ladiner sei in den kommenden Jahren auch die Vernetzung und Zusammenarbeit über die Grenzen hinaus mit anderen Minderheiten, also innerhalb der Euregio, mit den Gemeinden in Souramont sowie mit und in der FUEN (Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten), in der Alfreider auch Vizepräsident ist.

Über die Digitalisierung sollen die ladinischen Kulturschaffenden sich künftig noch besser austauschen und vernetzen können und zugleich soll durch digitale Mittel die ladinische Kultur und Sprache für noch mehr Menschen zugänglich werden, unterstrich der Landesrat. In diesem Sinne soll das neue Webportal „Paladina“ für Kulturschaffende entstehen und der ladinischen Kultur noch mehr Sichtbarkeit geben, kündigte Alfreider an.

lpa/stol