Dienstag, 04. Oktober 2016

Landesregierung: "Konkurrenz im Bahnverkehr erwünscht"

Die Zuteilung der Trassen für die lokalen Bahndienste zwischen den zwei derzeitigen Dienstleistern SAD AG und Trenitalia soll laut Landesregierung im Sinne einer optimalen Nutzung des neu angekauften Rollmaterials, des besten Angebotes für die Fahrgäste und durch den Ausbau von Direktverbindungen in Südtirol und in der Euregio festgelegt werden, hieß es am Dienstag nach der Sitzung des Landesregierung.

Die Landesregierung wünscht sich einen gesunden Konkurrenzkampf zwischen SAD und Trenitalia.
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Die Landesregierung wünscht sich einen gesunden Konkurrenzkampf zwischen SAD und Trenitalia. - Foto: © D

Dieser Schritt sei vor allem auch im Hinblick auf die Elektrifizierung der Vinschger Bahn und der dafür eigens vorgesehen Zuggarnituren mit Dreistromsystem und der Neuaufteilung der zu fahrenden Kilometer zwischen den Dienstleistern notwendig, erklärte Mobilitätslandesrat Florian Mussner im Anschluss an die Sitzung der Landesregierung.

Entscheidend werde bei der Zuteilung der Bahnkilometer und Trassen an die Betreiber demnach sein, so die Landesregierung, was für den Fahrgast und für den Umlauf der Züge am besten passe.

„Ziel ist es, das Bahnfahren in Südtirol noch attraktiver zu gestalten und den Verkehr weiter von den Straßen auf die Schiene zu verlagern“, so der Mobilitätslandesrat.

Mals-Bozen-Brenner: SAD und Trenitalia sollen Strecke bedienen

Laut Landeshauptmann Arno Kompatscher sollen die Züge Mals-Meran-Bozen halbstündlich, also ohne Umsteigen in Meran, durchgebunden werden, jene auf der Strecke Brenner-Mals stündlich, was dem Wunsch von drei Viertel der Fahrgäste entspreche. Besonders wichtig sei deshalb, so die Landesregierung, dass auf den Bahnstrecken die Züge beider Anbieter verkehren könnten.

„Dass beide Betreiber SAD AG und Trenitalia auf den Linien Mals-Meran-Bozen, auf der Brennerlinie und im Pustertal parallel fahren, wird die Qualität für die Fahrgäste nur steigern, da sich die Betreiber somit in einem gesunden Konkurrenzkampf tagtäglich messen müssen - außerdem ist diese Variante auch aus finanzieller sowie betrieblicher Hinsicht das Beste“, sagte Florian Mussner am Dienstag.

SAD reagiert verärgert: "Landesregierung hätte 7 Millionen Euro sparen können"

In einer Presseaussendung ging SAD-Chef Ingemar Gatterer am Dienstagabend auf den Beschluss der Landesregierung ein und sparte nicht mit Kritik, etwa was die Anschaffung des trimodalen Antriebs anbelangt: "Ein trimodaler Antrieb kostet etwa 1 Million Euro pro Zug. Hätte SAD den Vinschgau exclusiv bedient, hätte die Landesregierung 7 Millionen Euro für den trimodalen Antrieb bei den Trenitalia-Zügen einsparen können. Insofern musste Trenitalia in allen Gebieten eingesetzt werden, um den Fehler vor dem Rechnungshof sanieren zu können."

Mussner: "Parallelbedienung spart Kosten"

Der Landesrat sprach am Dienstag ebenso von Kosteneinsparungen. Die Parallelbedienung führe zu Einsparungen, weil zwei Züge für dasselbe Angebot weniger benötigt würden und man sich zusätzlich 2,4 Millionen Euro an Investitionen einspare, da somit zwei Züge weniger auf das neue Stromsystem im Vinschgau umgerüstet werden müssen, um dreistromfähig zu sein.

Das Hauptaugenmerk der Dienstleistungsverträge, sei es für Treniatlia, sei es für die SAD AG, liegt laut Mussner nach wie vor besonders auf der Qualität der Dienstleistungen, der Effizienz und vor allem der Kundenzufriedenheit. Der Vorschlag des Landes für die Zuteilung der Bahnkilometer soll bei einem Technischen Tisch in zehn Tagen der SAD AG unterbreitet werden.

Die Fronten zwischen SAD und Landesregierung bleiben wohl verhärtet.

lpa/stol

stol