Freitag, 09. März 2018

Landtag: Bessere Beratung bei Schwangerschaftsabbruch

Der Südtiroler Landtag hat den Beschlussantrag der Landtagsabgeordneten Maria Hochgruber Kuenzer genehmigt, mit dem die SVP-Abgeordnete eine bessere Beratung für Frauen eingefordert hat: Für Frauen, die ungewollt schwanger sind. Eine ungewollt schwanger gewordene Frau, die den Abbruch einer Schwangerschaft in Erwägung zieht, befindet sich in einer konfliktbeladenen Situation. Es ist ein Auftrag, den betroffenen Frauen maximale Aufklärung zu bieten, bevor sie ihre Entscheidung, Abbruch oder Geburt, fällen.

Der Südtiroler Landtag genehmigt den Beschlussantrag zur besseren Beratung für Frauen vor und nach einem Schwangerschaftsabbruch.
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Der Südtiroler Landtag genehmigt den Beschlussantrag zur besseren Beratung für Frauen vor und nach einem Schwangerschaftsabbruch. - Foto: © STOL

In Südtirol werden jährlich 500 bis 600 freiwillige Schwangerschaftsabbrüche in den Krankenhäusern von Bozen und Meran durchgeführt. Das Staatsgesetz Nr. 194 vom 22. Mai 1978 „Bestimmungen über den Schutz der Mutterschaft und über den freiwilligen Abbruch der Schwangerschaft“ sieht das Recht der Frauen auf Beratung vor, wenn sie eine Abtreibung in Erwägung ziehen. 

In der Tat finden diese Beratungen bislang in den gynäkologischen Ambulatorien statt und werden auch regelkonform durchgeführt: Mindestens eine Woche vor der eventuellen Durchführung einer Abtreibung, um der Frau Zeit für ihre Entscheidung einzuräumen.

Allerdings ist die gängige Praxis in Südtirol, dass dieselben medizinischen Teams, die den Schwangerschaftsabbruch durchführen sollen, zuvor die Frauen auch beraten. „Das führt nicht selten zu einer Personalunion,“ weist Maria Hochgruber Kuenzer darauf hin: „Ärzte, die die Frau beraten, sind es dann auch, die danach den Abbruch der Schwangerschaft vornehmen.“

Auch soziale Dienste können in Anspruch genommen werden 

Laut dem staatlichen Gesetz aber haben Frauen das Recht darauf, über die medizinischen Fragen hinaus auch soziale, arbeitsrechtliche, fürsorgende Dienste in Anspruch nehmen zu können.
Der Südtiroler Landtag hat auf Aufforderung von Hochgruber Kuenzer am Freitag, die zuständige Landesabteilung beauftragt, zusammen mit den zuständigen Ärzten und den anerkannten Beratungsstellen gemeinsam ein Beratungsangebot zu entwerfen, das zusätzlich zu medizinischen, alle relevanten rechtlichen, wirtschaftlichen und psychosozialen Beratungen einbezieht.

Nachbetreuung soll angeboten werden

Den betroffenen Frauen sollen auch eine Nachbetreuung angeboten werden: Manchmal fühlt sich eine Entscheidung hinterher anders an als vorher. 

Entscheidend ist aber, dass die Frauen Beratungen in den gynäkologischen Ambulatorien sowie von einer – von der Frau selbstgewählten – Beratungsstelle außerhalb des Sanitätsbetriebes erhält. 

stol

stol