Donnerstag, 7. April 2022

Lanz: „Fühle mich nicht als Bauernopfer“

Seit Mittwoch 10 Uhr heißt der vorübergehende SVP-Fraktionssprecher im Landtag Helmut Tauber. Nachdem 10 SVP-Mandatare nicht wie von Gert Lanz erwartet ihre Unterschrift unter einen Misstrauensantrag zurücknahmen, zog er selbst den Stecker. „Ich habe nicht mich selbst zu vertreten, sondern eine Gruppe und muss zur Kenntnis nehmen, dass das Vertrauen fehlt“, sagt Lanz.

Gert Lanz ist nicht mehr Fraktionssprecher der SVP – seit Mittwoch um 10 Uhr. - Foto: © Svp

Als die SVP-Fraktion am Mittwoch um 10.05 Uhr in den Sitzungssaal des Landtags eilte, sah es weder nach Rauswurf noch nach Rücktritt aus. Dafür sorgte Lanz zur Überraschung vieler Fraktionskollegen selbst. Er habe sich den Rückzug der Unterschriften sowie eine Entscheidung erwartet und habe es satt, hingehalten zu werden. „Ich trete zurück. Das Vertrauen ist nicht mehr da.“ (STOL hat berichtet.)

Warum das Vertrauen in ihn abhanden gekommen sei, kann sich Lanz – wie so oft in diesen Fällen – nicht erklären. 4 Jahre Arbeit zählten nicht. Er sei enttäuscht, fühle sich aber nicht als Bauernopfer. „Ich sage seit 3 Wochen, dass in der Partei aufzuräumen ist. Einige bezeichnen das, was 2018 über Monate hinweg passiert ist, nur als blödes Gerede. Bei mir hingegen reicht eine einzige Aussage für einen Misstrauensantrag“, spielt Lanz auf seinen Sager an, es „graue“ ihm davor, mit einigen Kollegen am selben Tisch zu sitzen.

Kurz darauf widerlegt sich Lanz aber selbst. Es ging nicht nur um den einen Sager. „Man hat mir schlechte Arbeit vorgeworfen, dass man in der Fraktion nicht mitreden kann oder Leute bei Sitzungen nicht anwesend waren.“ Einige hätten ihn aber auch verteidigt. Allemal nicht ausreichend viele. „Wenn ich der Einzige bin, der ein Problem für die SVP ist, ziehe ich die Konsequenzen“, schmollt Lanz. Er habe nicht nur sich selbst zu vertreten, sondern eine Gruppe.

Tauber tritt Nachfolge an

Zurück blieb eine überraschte Fraktion. „Wir wussten von nichts“, hieß es. In der Fraktion seien viele Dinge aufs Tapet gelangt: die Arbeitsweise von Lanz, sein Sager, die Verhandlungen mit Ingemar Gatterer um den – letztendlich nicht erfolgten – Verkauf der Betriebshalle von Lanz an die SAD. Das Klima sei aber konziliant gewesen.

„Der Rücktritt ist eine Entscheidung, die Lanz getroffen hat“, so SVP-Chef Achammer. Natürlich sei in der Fraktion gesagt worden, was nicht funktioniert habe. „Aber es war ein konstruktives Gespräch.“ Da am Freitag in der SVP-Leitung ein Burgfrieden geschlossen wurde, sei für Mittwoch gar keine Abstimmung über Lanz geplant gewesen. Eher eine weitere Sitzung.

Lanz nimmt als erster den Hut. Im Raum stehen Rücktrittsforderungen an Thomas Widmann und Karl Zeller. Zur Frage, ob er an weitere Abgänge glaube, sagt Lanz: „Glauben tut man in der Kirche. Hier haben wir es mit der Realität zu tun.“

Die Führung der Fraktion übernimmt vorübergehend der bisherige Vize-Fraktionschef Helmut Tauber.

Alle Berichte zur Abhör-Affäre lesen Sie hier.

bv

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