Dienstag, 07. April 2015

"Lehrer haben im Jugendbeirat nicht viel zu suchen"

"Der Landesjugendbeirat den Jugendlichen!", ist der Schlachtruf der Stunde. Die Wogen gehen hoch, die Jugendlichen fühlen sich ausgebootet. Fakt ist: Bei der Bestellung des deutschen Landesjugendbeirats hat der Landesschulrat, der einen von maximal 14 Posten vergeben kann, eine Lehrperson anstelle eines jugendlichen Bewerbers entsandt. Das sorgt für Stunk.

Der Vorsitzende des Landesbeirates der Schüler, Matthias von Wenzl, fordert mehr Mitspracherecht für Schüler.
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Der Vorsitzende des Landesbeirates der Schüler, Matthias von Wenzl, fordert mehr Mitspracherecht für Schüler.

Alle drei Jahre wird der deutsche Landesjugendbeirat bestellt - heuer wiederum. Drei Posten können dabei von den Gemeinden, einer vom Landesschulrat und zehn von den Jugendorganisationen vergeben werden. Aktuell besteht der Rat aus elf Mitgliedern.

Eine Lehrperson anstelle eines Jugendlichen

Stein des Anstoßes ist nun, dass der Landesschulrat bei seiner letzten Sitzung eine Lehrperson als Vertretung gewählt hat. "Und das, obwohl man im Vorfeld bei uns nachgefragt hat, ob sich nicht ein Schüler für den Posten bewerben will. Und diesen haben wir dann auch gestellt", wettert der Vorsitzende des Landesbeirates der Schüler, Matthias von Wenzl.

Der "lehrerlastige" Landesschulrat hat sich gegen Julian Nikolaus Rensi, Vorstandsmitglied des Landesbeirates der Schüler, entschieden. 

"Unser Unmut gilt jedoch keineswegs der Tatsache, dass die Lehrerschaft ihr demokratisches Recht ausübt, sondern den geltenden Vorschriften, die wir für unangemessen erachten", schreibt der Betroffene Julian Nikolaus Rensi selbst in einer offiziellen Aussendung. 

Landesjugendbeirat vertritt primär die Jugendlichen

Die Wurzel allen Übels ortet der Landesbeirat der Schüler in der gesetzlichen Regelung, die seit 1983 aktiv ist. "Wir fordern neue Rahmenbedingungen für die Wahl der Vertreter des Landesjugendbeirats", so Wenzl.

Denn: Da der Landesjugendbeirat primär die Jugendlichen Südtirols vertrete, solle er sich in erster Linie aus Jugendlichen zusammensetzen. "Die nun Gewählte wird ihre Sache sicher gut machen, aber Lehrer haben im Jugendbeirat nicht viel zu suchen", wird Wenzl deutlicher.

Der Beirat sieht einen Schüler besser anstelle eines Lehrers.

Sind Erwachsene, die Jugendliche vertreten, schlecht?

"Wir können verstehen, dass sich Jugendliche lieber von Jugendlichen vertreten lassen wollen, doch das muss nicht auf Biegen und Brechen sein", heißt es von Helga Baumgartner, Ansprechperson für den Jugendbeirat für die deutsche Sprachgruppe, zu den Vorwürfen auf Anfrage von STOL. In erster Linie gehe es um eine sinnvolle Vertretung, die für die Sache und die Jugendlichen einstehe. Das könne auch eine Lehrperson.

"Und es kann der Sache nicht schaden, wenn sich auch Erwachsene für die Belange der Jugendlichen einsetzen", so Baumgartner. 

Nur Experten - und nicht Jugendliche - sind gefragt

Ein Argument, das auch Matthias von Wenzl, Chef des Landesbeirates der Schüler, gelten lässt. Dennoch gilt seine Sorge der Aushöhlung der Organisation durch die Erwachsenen. 

"Es ist nämlich so, dass nirgends festgeschrieben steht, dass Jugendliche im Landesjugendbeirat sitzen müssen. Es ist immer von Experten die Rede, die bestellt werden. Das sind Jugendarbeiter und Vertreter anderer Organisationen - und da können die Jungen schon auf der Strecke bleiben", befürchtet Wenzl. 

Nach derzeitiger Gesetzeslage könne es auf einen Jugendbeirat ohne Jugendliche hinauslaufen. Eine Änderung dieser Situation sei unbedingt erforderlich. 

 

Der Vorsitzende des Landesbeirates der Schüler, Matthias von Wenzl. Foto: Dlife

In diesem Sinne sei es an der Zeit, die Bestimmungen des Landesgesetzes zur Förderung der Jugendarbeit aus dem Jahre 1983 zu überdenken, stimmt ihm der Nichtgewählte Rensi zu.

Derzeit scheint diese Sorge aber noch unberechtigt. "Von den elf Mitgliedern sind neun unter 26 Jahre alt", sagt Helga Baumgartner, Ansprechperson für den Jugendbeirat für die deutsche Sprachgruppe.

"Landesschulrat hat zu viele Lehrer"

Übergreifend geht es bei den Reibereien letztlich um mehr Mitsprache von Jugendlichen. Der Landesschulrat etwa setzt sich aus 63 Mitgliedern zusammen. "Wovon nur fünf Schülervertreter sind", rechnet Wenzl vor. Es sei absolut nicht sinnvoll, dass so viele Lehrer darin sitzen, die ihre Themen ohne Zustimmung der anderen durchbringen können. 

Doch auch dahingehend sei man aktiv geworden. Schullandesrat Philipp Achammer habe eine Überarbeitung des Gesetzes in Aussicht gestellt, so Wenzl. 

Und bis dahin gilt der Schlachtruf: "Der Landesjugendbeirat den Jugendlichen!"

stol/ker

stol