74,8 Prozent der Wahlberechtigten lehnten laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis die dafür nötige Verfassungsänderung ab, 24,88 Prozent stimmten dafür. Die Ablehnung war erwartet worden, denn für eine Verfassungsänderung hätte mindestens die Hälfte der 1,5 Millionen Wahlberechtigten votieren müssen.Die Wahlbeteiligung war unerwartet hoch und lag mit 70,73 Prozent deutlich höher als bei dem Referendum zur Auflösung des Parlaments im letzten Juli. Damals stimmten nur rund 44,73 Prozent der Stimmberechtigten ab. Politiker hatten die Bürger wiederholt zur Teilnahme an dem Referendum aufgerufen und appelliert, mit Nein zu stimmen. In mehreren Wahllokalen mussten Stimmzettel nachgeliefert werden.Umstrittener Umgang mit russischer MinderheitDie Sprachenfrage ist in Lettland hoch umstritten und hatte in den vergangenen Wochen zu lebhaften Debatten geführt. Ein Drittel der 2,3 Millionen Einwohner des baltischen Landes ist russischsprachig, von denen ein Großteil wegen seiner Sprachzugehörigkeit und wegen der vom lettischen Staat verlangten „Einbürgerungsprüfung“ keine Staatsbürgerschaft besitzt. Sie haben als sogenannte „Nicht-Bürger“ praktisch keine demokratischen Rechte und können keine Ämter bekleiden.Die Abstimmung habe gezeigt, dass dringend Maßnahmen zur Einigung der Gesellschaft nötig seien, so Außenminister Edgars Rinkevics in einer Aussendung am Sonntag.„Ich bin überzeugt, dass wir alle in einem demokratischen und geeinten Lettland leben möchten. Ihre Stimme ist ein Zeichen dafür, dass wir eine Menge Hausaufgaben machen müssen, damit ein großer Teil der Bevölkerung Lettland als Staat und sein Wesen als sein eigenes anerkennt“, wandte sich Rinkevics an die Verfechter von Russisch als zweiter Landesprache.Und weiter: „Viele von Ihnen fühlen sich entfremdet, für viele war es eine Protestwahl. Was immer auch Ihre Motive waren, am 18. Februar gab es keine Gewinner oder Verlierer.“ Die Volksabstimmung sei ein Signal gewesen, Maßnahmen zu ergreifen, einen Weg zu suchen für einen offenen öffentlichen Dialog sowie gegenseitiges Verständnis und Vertrauen zu fördern, so der Minister.Regierungschef Valdis Dombrovskis hatte bei der Stimmabgabe am Samstag erklärt, es müsse über Veränderungen in der Integrations- und Einbürgerungspolitik nachgedacht werden. Der Politologe Ivars Ijabs glaubt indes nicht an einen Wandel, da keine Partei bereit sei, auf die andere zuzugehen. „Die Rhetorik mag in den nächsten Wochen milder werden, aber ich glaube nicht, dass sich das Referendum auf den politischen Entscheidungsprozess auswirken wird“, sagte Ijabs der baltischen Nachrichtenagentur BNS. apa