Doch auch wenn die Chemie zwischen Mario Monti, der EU und zentralen Hauptstädten Europas schon zu stimmen scheint – der eigentliche Test liegt noch vor ihm. Angesehen als „letzte Chance“ für das so hoch verschuldete und unter massiven Strukturschwächen leidende Land schnürt der 68-jährige Chef der neuen Technokraten-Regierung in Rom gerade sein Spar- und Sanierungspaket. Es muss in Italien akzeptiert werden und die skeptischen Finanzmärkte sowie Brüssel überzeugen. Am Montag soll das Kabinett die Reformen schnell per Gesetzesdekret auf den Weg bringen. Vorher gibt es nur Indiskretionen und Spekulationen.Wird das neue italienische Sparpaket, das erste unter Monti, 20 oder 25 oder mehr Milliarden Euro umfassen? Kommt die Vermögenssteuer und wenn ja, nur als symbolischer sozialer Akt oder in einer Höhe, die wirklich Geld in die leeren Staatskassen pumpt? Die Arbeit der Regierung, auf die ganz Europa wegen der verschärften Schuldenkrise und der Angst um den Euro setzt, mache auch bei der Immobiliensteuer Fortschritte, jene, die Silvio Berlusconi einst abgeschafft hatte, so heißt es. Und wird Staatsgut verkauft, die Mehrwertsteuer erhöht? Die Zeitungen glänzen an jedem Tag mit neuen Details, heizen Debatten an. Kommt schmerzhafte Rentenreform?Offiziell liegt aber nichts auf dem Tisch. Schon wieder wird Monti so ganz seinem Ruf gerecht, ebenso gründlich wie bedächtig zu arbeiten. Sein Reformpaket soll jedoch bis Weihnachten durchs Parlament sein.Hohe Wellen schlägt jedenfalls schon vorab ein Kernstück des Krisenpakets, eine schmerzhafte Rentenreform. Gewerkschaften und auch Teile der politischen Linken, die doch Montis Regierung unterstützt, reagieren kühl auf zirkulierende Pläne, wonach angeblich Renten erst nach mehr als 40 Beitragsjahren ausgezahlt werden sollen und es dann auch keinen Inflationsausgleich mehr geben könnte. Die Gewerkschaften trifft Monti deshalb noch rasch am Sonntag. Die Basisgewerkschaft USB denkt bereits über einen Generalstreik gegen Rentenkürzungen und ein neues Beitragssystem nach, obwohl doch noch gar nichts offiziell ist.Vermögenssteuer wäre Befreiungsschlag Während Europa Monti schon applaudiert, könnte der Widerstand in Italien wachsen, sobald die erwartet harten Maßnahmen Wirklichkeit werden. Gewerkschaftler mokieren sich darüber, wenn sie in den Medien lesen, es werde eine „Vermögenssteuer light“ von zwei Tausendstel für Einkommen von mehr als eineinhalb Millionen erwogen – das wären 2000 Euro für einen einfachen Millionär. In einer Analyse zur Schuldenkrise rechnete Commerzbank -Chefvolkswirt Jörg Krämer geradezu spielerisch vor, wie Italien mit einer einmaligen Vermögenssteuer von 14 Prozent seinen Schuldenstand mit einem Schlag von 120 Prozent auf 95 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verringern könnte. Das würde die Märkte sicherlich beeindrucken und das bitter nötige Vertrauen in Italien stärken. Doch so etwas bleibt auch unter Monti in Italien ein Traum.Italien braucht die WendeOberstes Ziel, von Berlusconi eingebracht und von Monti bekräftigt und beschleunigt, ist der versprochene ausgeglichene Staatshaushalt bis 2013 – das ist das Jahr, in dem das Land regulär auch ein neues Parlament wählt. Die von der OECD vorhergesagte schrumpfende Wirtschaftsleistung 2012 in Italien macht aber tiefgreifende Strukturreformen noch dringender, um etwas anzukurbeln. Mehr Wettbewerb, ein flexiblerer Arbeitsmarkt und weniger Bürokratie und Verwaltung könnten da schon helfen, meinen Experten. „Nicht ein Sparpaket von 25 anstatt 20 Milliarden Euro kann die Glaubwürdigkeitskrise international überwinden, sondern Reformen, die eine wahre Wende anzeigen“, so mahnt der „Corriere della Sera“. Wie will Monti all das denn bis 2013 schaffen?Er legt aber zunächst letzten Schliff an das Notpaket – Berlusconi hatte bereits mehrere davon auf den Weg gebracht. Der neue Premier tut dies zu Beginn einer Woche, die schon als schicksalhaft für die Zukunft der europäischen Währung eingestuft wurde. Italien braucht die Wende, auch wenn das Misstrauen der Finanzmärkte nicht allein der drittstärksten Volkswirtschaft in der Eurozone gilt. Es hat zu lange und zu stark Verschuldungspolitik betrieben, jetzt erscheint es aber auch als wesentliches Opfer einer europaweiten Krise. Kann Monti denn sein Land und auch Europa vor einem noch größeren Debakel bewahren?dpa