Südtirol Online: Herr Landeshauptmann, seit Andrea Zeppas angekündigtem beruflichen Wechsel zur Stadtgemeinde Bozen wird darüber gerätselt, wer Ihr neuer Ressortdirektor wird. Gerüchten zufolge soll es Ulrich Stofner sein. Können Sie das bestätigen?Landeshauptmann Arno Kompatscher: Ja, das kann ich bestätigen.STOL: Warum haben Sie sich für Stofner entschieden? Welche Überlegungen waren für Sie ausschlaggebend?LH Kompatscher: Das ist ganz einfach erklärt. Das Ressort ist nur noch zwei Jahre zu leiten, weswegen für mich von vornherein klar war, dass ich eine Lösung innerhalb der Verwaltung suche bzw. unter jenen Personen, die sich im Landesdienst befinden. Ulrich Stofner war bereits Ressortdirektor im Bereich Wirtschaft und verfügt somit über beste Kenntnisse. Dazu kommt, bei der BLS hat er seinen Auftrag mittlerweile bis zu 90 Prozent erledigt - der Technologiepark ist auf Schiene. Stofner bleibt aber Technologiepark-Direktor, er hat dort allerdings nun weniger zu tun. Deswegen wird er von der BLS an mich überstellt – das kostet übrigens die öffentliche Verwaltung keinen zusätzlichen Cent.STOL: Warum möchten Sie eigentlich die LH-Ressorts auflösen?LH Kompatscher: Im Zuge der Verwaltungsreform haben wir über die sogenannten "Lebensbereiche" diskutiert, Lebensbereiche im Sinne von Ressorts – ähnlich dem österreichischen Vorbild. Sieht man sich das genauer an, so ist es schlüssig, dass der Landeshauptmann seine Richtlinienkompetenz, die er laut Autonomiestatut wahrnimmt, anhand der Querschnittsdienste ausübt. Er übernimmt - natürlich - die Außenbeziehungen, genauso die Finanzen, das Personal, das Digitale und das Rechtswesen - sprich die Anwaltschaft und das Gesetzgebungsamt - aber kein eigenes Ressort. Es unterstehen ihm aber Generalsekretär und Generaldirektor – so unsere Überlegungen. Ressortdirektor braucht der Landeshauptmann dann aber keinen mehr, während die Landesräte ihre Ressorts und ihre entsprechenden Direktoren haben. Das ist schlüssig und stimmig, darüber waren sich alle Arbeitsgruppen einig.Ich denke, das war auch ein Grund, wieso Andrea Zeppa das Bozner Angebot angenommen hat. Er wusste, dass er in zwei Jahren den Landesrat hätte wechseln müssen, darauf hatte er scheint's nicht so viel Lust.STOL: Am 23. Oktober 2015 meinten Sie zu STOL, Herr Stofner habe große Fähigkeiten und man werde mit ihm auch in Zukunft – O-Ton – „noch große Projekte gestalten“. Herr Landeshauptmann, Hand aufs Herz, wussten Sie damals schon, dass Stofner mal Ihr neuer Ressortdirektor werden würde?LH Kompatscher: Nein, eigentlich nicht, da das Angebot der Stadtgemeinde Bozen an Herrn Zeppa damals noch nicht im Raum stand. Herr Zeppa und ich haben hervorragend zusammengearbeitet, seine Entscheidung kann ich aber nachvollziehen, Bozen bezahlt besser und für ihn ist es eine neue Herausforderung. Dazu kommt, er hat ja selber am Vorschlag zur Verwaltungsreform mitgearbeitet und die Überlegungen dazu geteilt - dadurch bleibt aber eine, zumindest langjährige, Zusammenarbeit mit mir verwehrt. Die Behauptungen, es hätte irgendwelche Unstimmigkeiten zwischen uns gegeben, sind absoluter Stumpfsinn, ich habe mit Andrea super zusammengearbeitet und er mit mir genauso. Und jetzt habe ich den Herrn Stofner, den ich genauso schätze.STOL: Kritische Stimmen monieren, Herr Stofner wäre keine Erneuerung, da er ja bereits als Ressortdirektor „gedient“ habe. Ihr Kommentar dazu?LH Kompatscher (etwas gequält): Müssen wir denn immer alles erneuern? Ist das wirklich notwendig? Ich glaube nicht, dass man das immer auf Teufel komm raus machen muss - man nimmt den, der gut ist!Interview: Andrej Werth