Nach 43 Jahren Journalismus, 40 Jahren bei Athesia und 30 Jahren „Dolomiten“-Chefredakteur verlasse ich Athesia und „Dolomiten“; als Chefredakteur, als Vorstand und als Mehrheitsaktionär und werde mich mit meinen Kindern Anton und Veronika in die zahlreiche Schar der Athesia-Kleinaktionäre einordnen. <BR /><BR />In den letzten Wochen wurde ich oft nach dem „Warum?“ gefragt. Den Medien habe ich geantwortet, dass ich im Moment dazu nichts sagen werde. Ich halte es wie mein Vorgänger und treuer Freund Josef Rampold, der bei seiner Verabschiedung vor 30 Jahren in einem Interview auf die Frage, ob es nicht auch Probleme mit der Direktion gegeben habe, sinngemäß geantwortet hat: Die schmutzige Wäsche wäscht man zu Hause.<BR /><BR />Ich bin Ihnen die Antwort schuldig geblieben, ob es wirklich so ist, dass Abschiednehmen, wie ein bisschen Sterben ist. Ja, ist es! Und ist es nicht!<BR /><BR />Es ist „ein bisschen Sterben“, weil es traurig ist, Mitarbeiterinnen mit Tränen in den Augen zu sehen und hartgesottene Kollegen, die sich unauffällig eine Träne von der Wange wischen. Leserinnen und Leser aus dem ganzen Land drücken ihre Anteilnahme (wirklich Anteilnahme!) und ihre Solidarität aus. Man sieht aber auch die, die mit Häme zuschauen, so wie bei den Beerdigungen die Neider und Fopper nicht fehlen. Das ist der Vorteil vom „ein bisschen Sterben“, man kann das miterleben.<BR /><BR /><embed id="dtext86-68779713_quote" /><BR /><BR />Es ist nicht „ein bisschen Sterben“, weil etwas Neues beginnt. So wie wir Christen glauben, dass der Tod nur eine Wandlung ist, in Freiheit und Glück, beginnt nach dem Abschied ein neues Kapitel des Lebens. Und da ich das Glück habe, ein Optimist zu sein, sehe ich die neuen Chancen, die sich auftun. Voller Tatendrang und Energie beginnt eine Neuorientierung mit meiner Frau und meinen Kindern, mit neuen Zielen, Aufgaben und interessanten Projekten. <BR /><BR />Mein Streben war auch nie nach Positionen und Ämtern. Ich sitze lieber in der Arbeitshose mit meinen Bauernkollegen zusammen als im Nadelstreif bei Veranstaltungen, wo sich alle als besonders wichtig fühlen. Ich bin kein Raffer und Postensammler. In die Aufgabe als Journalist und dann Chefredakteur bei Athesia wurde ich hineingeboren. Ich habe diese Aufgabe gerne ausgefüllt und sie hat mir viel Freude bereitet, auch wenn ich sie immer als Pflichterfüllung gesehen habe.<BR /><BR />„Dolomiten“-Chefredakteur zu sein, war/ist/bleibt für mich eine der interessantesten Aufgaben in Südtirol. Nicht wegen der Möglichkeit, etwas in diesem Land zu bewegen. Das Tolle ist die tägliche Herausforderung, viele verschiedene journalistische Talente zu einer Symphonie zu motivieren. Der Chefredakteur ist wie ein Dirigent. Er muss wissen, wer ein guter Solist ist und ihm die Freiheit dafür lassen. Er muss aber auch die Schwächen im Orchester erkennen und sie durch Motivation ausbügeln. Nur wenn Harmonie herrscht, ist die komplexe Produktion in Print und Online möglich.<BR /><BR />Diese Harmonie haben wir in der Redaktion, Technik und Verwaltung von „Dolomiten“ und STOL und SportNews, weil hier die besten Journalisten angestellt und ausgebildet werden und weil sie die Freiheit in der Berichterstattung bekommen, die uns die Konkurrenz absprechen möchte. In den letzten 30 Jahren sind die „Dolomiten“ und STOL und SportNews immer erschienen, auch wenn Journalistenstreik ausgerufen wurde. Warum? Weil die Sozialpartnerschaft gelebt wird. „Der Chefredakteur ist für die Einhaltung des Kollektivvertrages verantwortlich“ – diese Bestimmung habe ich ernst genommen. Bei uns steht der Mitarbeiter im Mittelpunkt. Athesia ist laut Statut nicht nur ein christliches Unternehmen, es ist auch ein soziales Unternehmen; diesen Gründerauftrag haben wir in der Redaktion umgesetzt! <BR /><BR /><embed id="dtext86-68779714_quote" /><BR /><BR />Wir haben auch den Gründerauftrag umgesetzt das christliche Weltbild zu verbreiten und die Rechte der deutschen und ladinischen Volksgruppe zu verteidigen. In den letzten 30 Jahren haben wir uns von NIEMANDEN in unsere journalistische Arbeit hineinreden lassen, weil wir Journalisten nur den Athesia Grundsätzen und den Lesern verpflichtet sind. Dafür braucht der Chefredakteur einen breiten Rücken und er darf nicht wehleidig sein, weil Interventionen, Drohungen und Anfeindungen aus allen Richtungen nie aufhören.<BR /><BR />Belohnt wurde ich für dieses Abschirmen meiner Mitarbeiter durch außergewöhnlichen Einsatz und Engagement. Meine Journalistinnen und Journalisten haben stets mehr gegeben, als ihr Lohn abgedeckt hat. Diese tägliche Sorgfalt hat sich gelohnt: In 30 Jahren saß ich selten bei Presseprozessen auf der Anklagebank und wurde nie verurteilt, sondern immer freigesprochen. Die sorgfältige Arbeit der Journalisten hat Athesia vor Schadenersatzzahlungen bewahrt.<BR /><BR />Mit diesem letzten Leitartikel möchte ich meinen Leserinnen und Lesern, den Anzeigenkunden, den Kioskbetreibern und Verkaufsstellen, den Postboten, Ausfahrern und Austrägern sowie dem Vertrieb und den Druckern, dem Anzeigenverkauf, der mittlerweile aufgelösten Abteilung Marketing & Event und allen, die täglich an der Herstellung unserer Produkte beteiligt sind, danken.<BR /><BR /><embed id="dtext86-68779715_quote" /><BR /><BR />Ganz besonders danke ich den Frauen. Mein stetes Bemühen war es, ihre Doppelbelastung in der Redaktion erträglicher zu machen. Es ist unsere Pflicht als Arbeitgeber, den Frauen bei ihrer schwierigen und herausfordernden Aufgabe helfend zur Seite zu stehen, Kinder zu gebären, zu stillen, aufzuziehen und in die Welt zu entlassen. Kinder sind unsere Zukunft! Wer den Frauen und Müttern nicht hilft, ist herzlos!<BR /><BR />Eine letzte mir gestellte Frage beantworte ich hier am Ende: „Warum gehst Du jetzt schon?“ Meine Antwort: Als Führungskraft muss man abtreten, wenn man noch geschätzt und der Abschied bedauert wird; statt dass er ersehnt wird. <BR /><BR />Liebe Leserinnen und Leser, halten Sie den „Dolomiten“, STOL, und SportNews die Treue. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ich traurigen Herzens verlasse, werden Sie unter der Leitung meines Nachfolgers Chefredakteur Elmar Pichler Rolle und von Chefredakteur-Stellvertreter Günther Heidegger weiterhin mit hoffentlich auch guten Nachrichten versorgen.<BR /><BR />Ihr Toni Ebner<BR /><BR /> <a href="mailto:toni.ebner@athesia.it" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">toni.ebner@athesia.it</a>