Montag, 27. April 2020

Lockerungen: „Was passiert mit den berufstätigen Eltern und ihren Kindern?“

SVP-Kammerabgeordnete Renate Gebhard ist enttäuscht: „Ministerpräsident Giuseppe Conte ist am Sonntag bei seiner Ansprache zu den Lockerungen mit keinem Wort auf die prekäre Situation von berufstätigen Eltern und ihren Kindern eingegangen.“

Viele Eltern fragen sich: Was passiert mit ihren Kindern, wenn die Schulen geschlossen bleiben, die Eltern aber wieder zurück zur Arbeit sollen?
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Viele Eltern fragen sich: Was passiert mit ihren Kindern, wenn die Schulen geschlossen bleiben, die Eltern aber wieder zurück zur Arbeit sollen? - Foto: © APA/dpa / Karl-Josef Hildenbrand
Gebhard bezeichnete diese Vorgangsweise als „realitätsfremd und an den Bedürfnissen der Familien vorbeigedacht.“

Wenn spätestens ab Anfang bzw. Mitte Mai der größte Teil der Menschen wieder seine gewohnte Arbeit aufnehmen kann, dann seien berufstätige Eltern in der Bredouille.

„Das scheint inzwischen überall angekommen zu sein, nur nicht bei den obersten Entscheidungsträgern. Die Schließung der Schulen, Kindergärten und Kitas wird verkündet, ohne dass gleichzeitig Alternativangebote für Kinder und berufstätige Eltern vorgestellt werden“, erzürnt sich die Kammerabgeordnete.
„Ich frage mich, in welcher Welt Ministerpräsident Giuseppe Conte und sein wissenschaftliches Team leben und ob Familien mit Kindern dort überhaupt vorkommen, denn die bisherigen Pläne gehen völlig an der Realität vorbei.“

„Sonderelternzeit und Babysitterbonus reichen nicht aus

Ministerpräsident Conte habe zwar – wie von Gebhard selbst und auch von Landesrätin Waltraud Deeg mehrmals mit Nachdruck gefordert – die Verlängerung und Erhöhung der Sonderelternzeit und die Neuauflage des Babysitterbonus bestätigt, damit sei es aber laut Gebhard nicht getan. „Diese Maßnahmen allein reichen nicht aus, um den Bedürfnissen berufstätiger Eltern gerecht zu werden“, so Gebhard.

„Abgesehen davon haben Kinder das Recht auf soziale Kontakte und frühkindliche Bildung und vom Thema Kinderschutz wird erst gar nicht gesprochen.“

Gebhard fordert deshalb die Regierung erneut dazu auf, rechtzeitig zu handeln und die richtigen Maßnahmen zu treffen. „Dann brauchen wir später auch kein sogenanntes 'decreto bambini' und keine neue Taskforce zur Schadensbegrenzung“, so Gebhard.

„Dabei müssen wir das Rad gar nicht neu erfinden, es reicht über die Staatsgrenzen zu schauen, wo eine Notfallbetreuung in Kleingruppen, immer unter Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen, von Anfang an gewährleistet werden konnte. Wieso soll dies nicht auch in Italien funktionieren?“

Renate Gebhard habe ihre Vorschläge bereits an verschiedene Mitglieder der Regierung herangetragen und sei überparteilich auf Gehör gestoßen, „nun gilt es die entsprechenden Mehrheiten zu finden, um Eltern und Kindern rechtzeitig eine Lösung zu bieten.“

Mehr Freiraum für die Regionen gefordert

Die Kammerabgeordnete sie sich in der Diskussion durchaus bewusst, dass zwischen Stadt und Land unterschieden werden müsse.

„Daher ist es an der Zeit, - und das gilt auch für andere Bereiche - den Regionen mehr Freiraum einzuräumen – zumal die Fallzahlen sich nicht überall gleich entwickeln.“

Auch begrüße Gebhard die Initiative Südtiroler Eltern, die eine zeitnahe Wiederaufnahme der Betreuungs- und Bildungsangebote fordern.

„Damit wird Druck aufgebaut, denn offensichtlich gibt es noch zu Mitglieder des Ministerrates, denen die Tragweite ihrer Entscheidungen für die Familien nicht bewusst ist.“

Die Südtiroler Parlamentarier stünden in engem Kontakt mit den einzelnen Organisationen, aber auch mit Familienministerin Elena Bonetti. „Die Familienministerin ist sehr bemüht und hat Lösungen zugesichert, konkrete Zusagen konnte sie bis heute aber nicht machen – deshalb müssen wir jetzt unsere Anliegen im Netzwerk und mit aller Kraft einfordern, damit diese in das nächste Dekret eingebaut werden“, so Gebhard.

liz

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