Montag, 23. Oktober 2017

Lombardei und Venetien wählen, Südtirol kommentiert

Das Votum der Lombarden und Veneter am Sonntag war eindeutig: Die Wähler wünschen sich mehr Autonomie von Rom. Auch in Südtirol riefen die beiden Referenden Reaktionen hervor.

Ein Großteil der Wähler stimmte für mehr Region und weniger Rom.
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Ein Großteil der Wähler stimmte für mehr Region und weniger Rom. - Foto: © LaPresse

Am Tag nach den beiden Referenden, bei denen sich der Großteil der Wähler für mehr Region und weniger Rom aussprach, kommentierten Südtirols Parteien und Politiker das lombardo-venetianische Votum.

Thomas Widmann, amtierender Präsident des Regionalrats von Trentino-Südtirol, zeigte sich vom Abstimmungsergebnis erfreut. Es beweise, dass die Bürger die Vorteile der Politik, die auf dem Territorium für das Territorium entsteht, verstanden hätten. Es sei ein Votum „zum Aufbau eines Staates, der es versteht, diejenigen zu unterstützen, die beweisen, dass sie gut verwalten können“, kommentierte Widmann und bot seinen norditalienischen Kollegen an „die in 70 Jahren Autonomie gesammelte Erfahrung zur Verfügung zu stellen.“

Süd-Tiroler Freiheit: „Weniger Italien, mehr Selbstverwaltung“

Auch die Vertreter der Süd-Tiroler Freiheit begrüßten das Ergebnis des Autonomie-Referendums. Sie hoffen, dass das Wahlergebnis eine Diskussion über die Zukunft der Autonomien in Italien anstoßen werde, warnten allerdings auch davor, die lombardischen und venetianischen Autonomiebestrebungen mit der Südtirol-Autonomie gleichzusetzen. Letztere sei eine „ethnische Autonomie, keine territoriale.“

Leiter Reber: „Wünsche viel Zähigkeit und Durchsetzungskraft“

Der freiheitliche Parteiobmann Andreas Leiter Reber schlug in eine ähnliche Kerbe: „Die Bürger im Veneto und der Lombardei haben ein kräftiges Zeichen für mehr Eigenständigkeit und Freiheit von Rom gesetzt, das freut uns sehr“, kommentierte Leiter Reber. Es sei zu hoffen, dass die Lombardei und Venetien diesen Weg konsequent weitergingen.

Grüne: Anlauf begrüßenswert, aber kein „Lombardo-Veneto first!“

Auch Südtirols Grüne zeigten sich von den Abstimmungsergebnissen beeindruckt. Der Wunsch nach mehr Eigenständigkeit gegenüber Rom sei deutlich ausgeprägt und in jedem Fall ernst zu nehmen, so die Grünen. Sie begrüßen vor allem, dass die Referenden mehr Autonomie einfordern, aber keine Sezession vorsahen. Dennoch kritisierten die Grünen die in beiden Regionen regierende Lega Nord. Das Referendum bedeute auch den Versuch, die Solidarität mit anderen Regionen, zumal des Südens, schrittweise aufzukündigen, so die Grünen.

Über den Ausgang des Referendums freuten sich auch Elena Artioli vom Team Autonomie und der Südtiroler Ableger der Lega Nord.

Artioli: „Historisches Resultat“

Mit einer Autonomie könnten die Lombardei und Venetien ihren Bürgern bessere Dienste anbieten, gleichzeitig aber die Kosten für die Bürger senken, so Artioli.

Bessone: „Ergebnis auch Rückenwind für Parlamentswahlen“

Massimo Bessone von der Lega Nord forderte mehr Föderalismus für alle Regionen und interpretierte das Ergebnis – angesichts der anstehenden Parlamentswahlen – als positives Signal für die Lega. 

stol/aw

stol