Sonntag, 18. November 2018

Macron: Neues Kapitel für Europa

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat Deutschland zu einer Kraftanstrengung aufgerufen, um Europa in Zeiten eines neuen Nationalismus krisenfester zu machen. „Heute müssen wir ein neues Kapitel aufschlagen”, sagte Macron am Sonntag in einer Rede zum Volkstrauertag im Deutschen Bundestag. „Das schulden wir Europa.”

Macron sprach zum Volkstrauertag im Deutschen Bundestag. - Foto: APA (AFP)
Macron sprach zum Volkstrauertag im Deutschen Bundestag. - Foto: APA (AFP)

Auch der Klimawandel, Handelskonflikte und andere Herausforderungen müssten gemeistert werden. „Wir wünschen uns alle eine faire Weltordnung.” Macron bedankte sich, dass er an diesem Tag im Bundestag reden dürfe; das sei ein großes Signal der Versöhnung. „Unsere Gemeinsamkeiten sind stärker als unsere Unterschiede.”

Der Volkstrauertag wurde vor 100 Jahren 1919 eingeführt, um Solidarität mit den Hinterbliebenen der Opfer des Ersten Weltkriegs zu zeigen. Inzwischen gedenkt man aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Deutschland habe die „blutrünstigen Dämonen des Nationalismus” überwunden. „Ich bin stolz, dass Frankreich eine Rolle bei dieser Wiederauferstehung gespielt hat”, sagte Macron. Man habe daran gearbeitet, ein europäisches Projekt aufzubauen und sich die Hand zu reichen. Er zitierte in dem Kontext Goethe: „Und so, über Gräber vorwärts”.

Macron und der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier appellierten zuvor auch an die Jugend Europas, für ein weltoffenes, friedliches Europa zu kämpfen. „Wir befinden uns an einem sehr wichtigen Zeitpunkt unserer Geschichte”, sagte Macron bei einer Begegnung mit Jugendlichen aus ganz Europa in Berlin. „Eine Jugend kann nur die Zukunft aufbauen, wenn sie die Vergangenheit kennt.” Sonst gebe es das Risiko, Fehler zu wiederholen. „Schafft ein offenes, ehrgeiziges Europa”, sagte Macron.

Es gehe darum zu, das Versprechen „Nie wieder Krieg” zu erneuern, betonte Steinmeier. „Es braucht vor allem frische Ideen.” Denn die kostbarsten Ideen seien die zerbrechlichsten. Es sei ein Wunder, was die Mütter und Väter der europäischen Einigung erreicht hätten. „Es ist eine Verpflichtung, dieses Wunder zu erneuern und zu erhalten.” Aus der Geschichte müsse gelernt werden, um neue Missverständnisse zu vermeiden. „Das war in Europa schonmal einfacher”, so Steinmeier.

Nachwuchsfußballer lasen unter anderem von Schalke 04, Hertha BSC, dem FC Liverpool und dem FC Brügge Briefe und Lebensschicksale von ehemaligen Fußballern ihrer Vereine vor, die als Soldaten gestorben waren. „Tränen haben keine Farbe”, meinte ein Fußballer des FC Brügge mit Blick auf die völkerverbindende Kraft des Fußballs. Die Sportler besuchten zudem im Rahmen des Projekts „Football remembers” (”Fußball erinnert”) Soldatenfriedhöfe, um die Schrecken des Kriegs zu begreifen.

Macron wurde nach einer Gedenkveranstaltung für die Kriegstoten und einer Rede im Bundestag auch zu Beratungen mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt erwartet. Dabei dürfte es auch um die Bemühungen um EU-Reformen gehen, um den Euro krisenfester zu machen.

apa/dpa

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stol