Freitag, 02. Juli 2021

Macrons Herausforderer gehen in Stellung

Knapp ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich gehen die Herausforderer von Präsident Emmanuel Macron in Stellung. Immer mehr Politiker geben ihre Kandidatur für die Wahl im Frühjahr 2022 bekannt, deren Datum noch nicht offiziell feststeht. Ein Überblick über die aussichtsreichsten Konkurrenten des Zentrums-Politikers Macrons.

Emmanuel Macron muss sich im nächsten Jahr der Wahl stellen.
Emmanuel Macron muss sich im nächsten Jahr der Wahl stellen. - Foto: © APA/afp / LUDOVIC MARIN
Marine Le Pen

Die Rechtspopulistin hat laut Meinungsforschern so gute Chancen wie noch nie, 2022 erste Präsidentin Frankreichs zu werden. In Erklärungsnot ist die 52-Jährige allerdings seit den Regionalwahlen im Juni, bei der ihre Partei Rassemblement National (Nationale Sammlungsbewegung) leer ausging, obwohl sie nach Umfragen mit einem Sieg rechnen konnte. Mit dem Schlachtruf „Franzosen, erwachet!“ wirbt Le Pen für einen Einwanderungsstopp und eine „patriotische“ Wirtschaftspolitik. Im Mai 2017 war sie Macron in der Stichwahl deutlich unterlegen.

Xavier Bertrand

Der frühere Gesundheitsminister gilt als der bisher aussichtsreichste Kandidat im konservativen Lager. Der 56-Jährige sieht sich gestärkt, seitdem er bei den Regionalwahlen klar als Präsident der nordfranzösischen Region Hauts-de-France mit Städten wie Calais und Dünkirchen bestätigt wurde. Damit sei die Präsidentschaftswahl eine „Partie zu dritt“, sagte Bertrand unter Anspielung auf Macron und Le Pen. Bisher liegt er in Umfragen aber deutlich hinter den beiden. Bis 2017 gehörte Bertrand der Partei Die Republikaner von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy an, trat dann aber wegen des ihm zu rechtslastigen Kurses aus.

Michel Barnier

Auch der ehemalige Chef-Unterhändler der EU für den Brexit zeigt Ambitionen, für die Konservativen in das Präsidentschaftsrennen einzusteigen. Mit 70 Jahren wäre Barnier der älteste Kandidat. Allerdings müsste sich der frühere französische Außenminister bei einer Meinungsumfrage zum Kandidatenfeld durchsetzen, die seine Republikaner bis Herbst in Auftrag geben wollen. Seine langjährige EU-Arbeit wird in Frankreich längst nicht von allen positiv gewertet.

Anne Hidalgo

Für die Sozialisten bringt sich die Pariser Bürgermeisterin in Stellung. Die 62-Jährige koaliert in der Hauptstadt mit den Grünen. Sie hat sich einem sozial-ökologischen Kurs verschrieben, der als Macrons Achillesferse gesehen wird. Meinungsforscher räumen ihr bisher keine großen Chancen ein, die Sozialistische Partei von Macrons unmittelbarem Vorgänger François Hollande aus dem Umfragetief zu holen.

Yannick Jadot und Eric Piolle

Die französische Grünen-Partei Europe Écologie Les Verts (EELV) sieht sich seit ihrem Erfolg bei den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr im Aufwind. Ihre beiden bekanntesten Anwärter für die Präsidentschaftskandidatur sind der Europaabgeordnete Yannick Jadot und der Bürgermeister der Alpen-Stadt Grenoble, Eric Piolle. Sie müssen sich zunächst einer parteiinternen Vorwahl stellen. Piolle warnt vor einem „Hahnenkampf“. Jadot verweist dagegen auf das gemeinsame Ziel: „Emmanuel Macron und Marine Le Pen zu schlagen“ und die Atomnation Frankreich klimafreundlich auszurichten.

Jean-Luc Mèlenchon

Der Gründer der Linkspartei La France insoumise (Das unbeugsame Frankreich) tritt zum dritten Mal bei der Präsidentschaftswahl an und könnte anderen linken Kandidaten erneut Stimmen abspenstig machen. Der 69-Jährige will Frankreich aus der NATO führen und Besitz umverteilen. Mélenchon nennt den früheren Investmentbanker Macron „Präsident der Reichen“, der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel warf er in der Finanzkrise ein „Diktat“ über Europa vor.

dpa

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