So stellte zumindest Carly Fiorina, Kandidatin für den Senatorenposten in Kalifornien, ihren ebenfalls republikanischen Rivalen im Vorwahlkampf dar. In ihren TV-Werbespots war der Gegner schlichtweg der Bösewicht (siehe Video am Ende des Artikels).Dieser und andere kuriose Spots aus dem amerikanischen Kongresswahlkampf machen derzeit auf Youtube Furore. Sie haben Kultstatus, tausende Male werden sie auf der Videoplattform abgerufen.Um Konkurrenten auszustechen und selbst aufzufallen, ist den Kandidaten fast jedes Mittel recht. „Es ist immer normaler geworden, politische Gegner mit negativen Spots zu attackieren“, sagt Prof. Ralph Begleiter vom Zentrum für politische Kommunikation der Universität Delaware.Republikanerin Pamela Gorman, die in Arizona für den Kongress kandidiert, setzt auf Schießübungen vor laufender Kamera. Sie präsentiert sich mit olivgrüner Mütze in der Wüste, ballert mit dem Maschinengewehr wild um sich. In der nächsten Einstellung lächelt sie seriös und heiter in die Kamera, sogar ihr Sohn greift in dem Spot zur Waffe. Botschaft des Clips: Starke Frau weiß sich selbst zu helfen.In diesem Jahr wurden Schätzungen zufolge mehrere Milliarden Dollar in Wahlwerbung gepumpt – oft stehen eher unbekannte Organisationen dahinter, die die Gelder von Unternehmen und Lobbygruppen investieren. Einem neuen Urteil des obersten amerikanischen Gerichtshofs zufolge können die Lobbyisten anonym bleiben. Der Löwenanteil dieser Gelder fließt an Republikaner.Doch nicht nur die Investitionen sind gestiegen, auch die Skrupellosigkeit der Kandidaten hat zugenommen. Persönliche Attacken sind keine Seltenheit mehr. Alan Grayson, Abgeordneter des Repräsentantenhauses aus Florida, bezeichnet den republikanischen Gegenkandidaten Dan Webster als Taliban und religiösen Fanatiker. Die Aussagen belegt er mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten. Ben Quayle, Kongresskandidat aus Arizona und Sohn eines ehemaligen Vizepräsidenten, verkündet: „Barack Obama ist der schlechteste Präsident der Geschichte.“Manche Spots sind aber auch so stümperhaft, dass sich die Kandidaten womöglich ihrer Chancen berauben. Basil Marceaux, der Gouverneur in Tennessee werden wollte, aber schon im Vorwahlkampf scheiterte, präsentierte sich in seinem Spot mit lustiger Musik im Hintergrund vor dem Kapitol seines Staates. Hier nuschelt er seine Wahlversprechen in die Kamera, die vorsichtshalber noch einmal eingeblendet werden – Rechtschreibfehler inklusive.Wähler nicht begeistertSo selbstverständlich Attacken auf Konkurrenten in der Wahlwerbung in den USA geworden sind – bei den Wählern scheint die negative Stimmungsmache nicht besonders gut anzukommen. „Das ist einer der gemeinsten Wahlkämpfe, die ich jemals gesehen habe – auf beiden Seiten“, sagt Jane O'Reilly, 79, während sie in einem Fast-Food-Restaurant in Philadelphia mit ihrem Mann zu Mittag isst. „Alles ist negativ. Das spricht mich überhaupt nicht an.“Doch die Negativ-Werbung hat Wirkung, behaupten jedenfalls Experten. „Besonders negative Kampagnen können beim Wähler in letzter Sekunde Zweifel und Bedenken an die Oberfläche bringen“, sagt Politikprofessor Begleiter. „Gegenkandidaten haben dann nicht mehr die Möglichkeit, die Behauptungen zu widerlegen.“Neben scharfen Angriffen hat die amerikanische Wahlwerbung aber auch eine Menge Humor zu bieten. Der demokratische Kandidat für den Gouverneursposten in Colorado, John Hickenlooper, gibt in seinem Spot zu: „Ich kann einfach keine negative Wahlwerbung ertragen. Jedes Mal, wenn ich welche sehe, muss ich duschen.“ Bis zum Wahltag am 2. November dürfte Hickenlooper also wohl einen Großteil seiner Zeit im Badezimmer verbringen. dpa