Freitag, 19. April 2019

Malis Regierung geschlossen zurückgetreten

Nach Monaten zunehmender Gewalt im Zentrum Malis ist die Regierung des westafrikanischen Krisenlandes zurückgetreten. Ministerpräsident Soumeylou Boubèye Maïga und sein Kabinett kamen damit einem von der Regierungsfraktion und Teilen der Opposition für Freitag geplanten Misstrauensantrag im Parlament zuvor.

Ministerpräsident Maiga reichte seinen Rücktritt ein. - Foto: APA (AFP)
Ministerpräsident Maiga reichte seinen Rücktritt ein. - Foto: APA (AFP)

Das Amt von Präsident Ibrahim Boubacar Keïta (auch IBK genannt) teilte über Twitter mit, ein neuer Regierungschef solle nach Beratungen mit allen politischen Parteien in Kürze ernannt werden. Offiziell wurde kein Grund für den Abtritt der Regierung genannt.

Maïgas Regierung war zuletzt heftig kritisiert worden, weil die Gewalt im Zentrum des Landes immer mehr zugenommen hatte. Anfang April war es in der Hauptstadt Bamako zu Massenprotesten gekommen, bei denen Maïgas Rücktritt gefordert wurde. Wegen der anhaltenden Gewalt zeichnete sich dann auch im Parlament eine klare Mehrheit für seine Absetzung ab.

Gewalt zum Teil wegen ethnischer Spannungen 

Bei einem bewaffneten Überfall auf ein Dorf in der Region Mopti Ende März waren zum Beispiel rund 150 Menschen getötet worden, darunter nach Angaben der Vereinten Nationen auch viele Frauen und Kinder. Die Gewalt geht zum Teil auf ethnische Spannungen zurück, etwa zwischen der Volksgruppe der nomadischen Fulani und sesshaften Bauern. Die Region wird jedoch auch von islamistischen Extremisten terrorisiert.

Der wüstenhafte und weitläufige Norden des Landes dient Milizen und islamistischen Terroristen als Rückzugsgebiet. Sie greifen neben Zivilisten auch einheimische und internationale Streitkräfte an. Die UNO-Mission in Mali, an der auch drei Bundesheer-Soldaten beteiligt sind, gilt daher als derzeit gefährlichster Blauhelmeinsatz weltweit. An der EU-Trainingsmission in Mali (EUTM) nehmen derzeit 27 österreichische Soldaten teil.

apa/dpa

stol