Sonntag, 07. April 2019

Malta: Seenotretter fordern schnelle Lösung

Die deutsche Hilfsorganisation Sea-Eye hat dringend eine Lösung für ihr Schiff mit geretteten Migranten gefordert. Wegen der Blockade auf dem Mittelmeer müssten die Menschen „unhaltbare humanitäre Bedingungen ertragen“, erklärte Sprecherin Carlotta Weibl am Sonntag in Rom. „Sie müssen teilweise draußen an Deck schlafen und sind Wind, Wellen und Kälte ausgesetzt. Ein nahender Sturm wird die Menschen in große Gefahr bringen.“

64 Migranten wurden am Mittwoch vor Libyen gerettet.
64 Migranten wurden am Mittwoch vor Libyen gerettet. - Foto: © APA/AFP

Das Schiff „Alan Kurdi“ hatte am Mittwoch 64 Migranten vor Libyen aufgenommen. Nachdem die Regensburger Organisation in Italien keine Erlaubnis zur Einfahrt bekommen hatte, fuhr das Schiff erneut Richtung Malta. Ein Sprecher der Regierung in Valletta sagte am Samstag lediglich, die Lage werde beobachtet.

Zuvor hatte Malta dem Schiff, das unter deutscher Flagge fährt, das Anlegen verboten. Das Bundesinnenministerium und das Auswärtige Amt in Berlin gaben am Wochenende keine neuen Informationen zu dem Fall.

„Unsere Vorräte sind bald verbraucht. Wir können diese Situation nicht viele Tage aufrecht erhalten und brauchen Trinkwasser und Essen“, sagte Sprecher Gorden Isler am Samstag. Auf einem Video war zu sehen, wie Menschen in Wärmefolien gehüllt auf Deck schlafen.

Viele Gerettete seien nach der Flucht aus libyschen Lagern geschwächt und seekrank, erklärte Weibl. „Wir haben eine Frau an Bord, die verkauft wurde, in einem Bordell arbeiten musste und gefoltert wurde, als sie sich weigerte. Schließlich musste sie sich freikaufen. Diese Frau braucht sofortige psychologische Unterstützung.“

Malta und Italien lassen seit Sommer letzten Jahres praktisch keine Boote mit Migranten mehr anlegen, weil es keinen Verteilmechanismus auf EU-Ebene gibt. Daher waren bereits mehrere NGO-Schiffe teils Wochen auf See blockiert. Die EU unterstützt die libysche Küstenwache, die die Menschen zurück in das Bürgerkriegsland bringen soll. Dort drohen den Migranten nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen Misshandlungen, Sklaverei und Folter.

dpa

stol