Das mutmaßen nicht nur Medien und die Opposition: Mittlerweile tun dies auch sehr enge Mitstreiter von Regierungschef Berlusconi. Innenminister Roberto Maroni gestand am Sonntagabend im Fernsehen ein, dass es keine Mehrheit mehr gebe.„Es ist vorbei. Das ist die Wahrheit“ „Es ist vorbei. Es bringt nichts, sich zu verbeißen, um das Gegenteil zu behaupten. Das ist die Wahrheit und vor dieser dürfen wir uns nicht verstecken“, so der Innenminister, der von baldigen Neuwahlen ausgeht und dem Regierungschef nahelegte, vor der 52. Vertrauensabstimmung, die für Dienstag anberaumt ist, den Rücktritt zu erklären, um sich eine Blamage im Parlament zu ersparen.Immer mehr PdL-Abtrünnige Nur wenige Minuten später erklärte eine weitere, langjährige PdL-Politikerin Gabriella Carlucci den Wechsel zum UDC und damit den Austritt aus der Berlusconi-Partei.Was sich in den vergangenen Tagen bereits abzeichnete, ist nun Realität geworden: Ministerpräsident Berlusconi hat im Parlament keine Mehrheit mehr, die Zahl der Abtrünnigen, Berlusconi nannte sie beim G-20-Gipfel in Cannes „Verräter“, wird immer größer.Insgesamt 20 Berlusconi-Parlamentarier haben Berlusconi bereits den Rücken gekehrt. Angeführt werden die „Rebellen“ vom ehemaligen Präsidenten der Region Friaul Julisch Venetien, Roberto Antonione. Sie wollen angeblich eine eigene Fraktion im Parlament bilden. Damit hat der Regierungschef de facto keine Mehrheit mehr in der Abgeordnetenkammer.Maroni: Der Wähler muss entscheidenMaroni sprach sich indes - im Gespräch mit Moderator Fabio Fazio („Che tempo che fa“) - für Neuwahlen und explizit gegen eine Übergangsregierung aus. Der Innenminister betonte, dass man zum Wähler zurückkehren, ihn entscheiden lassen müsse.Berlusconi glaubt noch an „seine“ MehrheitDoch zurück zum Spiel: Die 90 Minuten sind vorbei, die Nachspielzeit ist angebrochen. Für Trainer Berlusconi läuft die Zeit weiter, ein Scheitern gesteht er nicht ein – noch (immer) nicht.Er glaubt nach wie vor an „seine Mehrheit“ im Parlament und will nun mit den Abgeordneten, die die Seiten gewechselt haben, ein persönliches Gespräch führen, um sie vor der Vertrauensabstimmung umzustimmen.Es bleibt abzuwarten, ob ihm dies gelingt. Vieles deutet daraufhin, dass Berlusconi diesmal verlieren könnte. Doch der Ministerpräsident ist ein Stehaufmännchen und die römische Politik ist zum russischen Roulette geworden. Es ist vorbei, oder doch nicht?joi