Noch sei es zu früh sich zu äußern, das werde er aber in Kürze tun, sagte Medwedew am Mittwoch vor Hunderten Journalisten in der Nähe von Moskau. Wie schon bei früheren Gelegenheiten nutzte er die Pressekonferenz zu Äußerungen, die als Seitenhieb auf Ministerpräsident Wladimir Putin gewertet werden können. Putin, der von 2000 bis 2008 Präsident war und dem Ambitionen auf eine Rückkehr in das höchste Staatsamt nachgesagt werden, gilt unverändert als der mächtigste Mann Russlands.„Wenn die Zeit für eine Entscheidung reif ist, werde ich sie verkünden“, sagte Medwedew zu einer neuen Kandidatur für das Präsidentenamt. Der Termin stehe kurz bevor. Die Bekanntgabe einer solchen Entscheidung erfordere aber einen anderen Rahmen als eine Pressekonferenz. Der 45-jährige Medwedew hat sich in jüngster Zeit als Alternative zu seinem 13 Jahre älteren Mentor Putin präsentiert, der seine berufliche Laufbahn in den 1980er Jahren als KGB-Spion in der DDR begonnen hatte. Das hat Spekulationen genährt, er wolle sich für die Wiederwahl im kommenden Jahr gegen Putin in Stellung bringen.Niemand sei für alle Ewigkeiten an die Macht gekommen. „Menschen, die solchen Illusionen nachhängen, enden gewöhnlich böse“, sagte Medwedew. Zugleich betonte er ausdrücklich, dass sein Verhältnis zum Regierungschef gut sei. Er und Putin würden einander gut kennen, dächten ähnlich und verfolgten dieselbe Strategie. „Das heißt aber nicht, dass wir in allem übereinstimmen. Das wäre sehr langweilig und sehr falsch.“ Außerdem habe er nicht die Absicht, die Regierung auszuwechseln. Nach der Präsidentenwahl 2012 sollte das Kabinett jedoch umgebildet werden. Die Ministerrunde brauche unabhängig von der Person des Regierungschefs neue Gesichter.Zugleich forderte Medwedew, die Modernisierung des Landes zu beschleunigen. Der Wandel könne schneller vonstattengehen, als Putin denke. Die Modernisierung zielt darauf ab, Russland von der Ausfuhr von Erdöl und Erdgas weniger abhängig zu machen. Auch auf außenpolitischem Gebiet zeigte sich Medwedew bemüht, Stärke zu demonstrieren. Sollte es in den Verhandlungen mit den USA nicht zu einer Übereinkunft bei der Raketenabwehr kommen, werde er zu Gegenmaßnahmen greifen.Im Fall des inhaftierten früheren Öl-Magnaten Michail Chodorkowski ging Medwedew ebenfalls auf Distanz zu Putin. Von einer Freilassung des seit 2003 inhaftierten Ex-Industriellen drohe der Gesellschaft keine Gefahr. Putin dagegen hatte Chodorkowski als Dieb bezeichnet und ihn mit dem US-Gangster Al Capone verglichen.apa/reuters