Samstag, 26. Juni 2021

Mehr als 20 Jahre Haft für Polizisten im Fall Floyd

Der vorläufige Schlusspunkt in einem der aufsehenerregendsten Prozesse der jüngeren US-Geschichte: Im Verfahren zur Tötung des Afroamerikaners George Floyd verkündet das zuständige Gericht in Minneapolis (Minnesota) am Freitag das Strafmaß für den verurteilten weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin.

Das zuständige Gericht in Minneapolis hatte eine Haftstrafe von 22 Jahren und 6 Monaten gegen Derek Chauvin verhängt.
Das zuständige Gericht in Minneapolis hatte eine Haftstrafe von 22 Jahren und 6 Monaten gegen Derek Chauvin verhängt. - Foto: © APA/afp / KEREM YUCEL, ALEX LEDERMAN
Die Familie des getöteten Afroamerikaners George Floyd und deren Anwälte werten die Haftstrafe für den verurteilten Ex-Polizisten Derek Chauvin als einen möglichen Schritt zu mehr Gerechtigkeit für Schwarze in den USA.

Bisher war noch nie ein Polizist im Bundesstaat Minnesota zu einer längeren Haftstrafe verurteilt worden. Das zuständige Gericht in Minneapolis hatte eine Haftstrafe von 22 Jahren und 6 Monaten gegen Chauvin verhängt.

„Urteil ein Wendepunkt in der US-Geschichte“

Einer der Anwälte der Familie, Ben Crump, sagte am Freitag (Ortszeit) nach der Verkündung des Strafmaßes für Chauvin, das Urteil biete die Chance, ein „Wendepunkt“ in der US-Geschichte zu sein.

„Wir haben heute ein gewisses Maß an Rechenschaft erhalten“, sagte Crump. Angehörige Floyds mahnten zugleich, es seien dringend Reformen und strukturelle Änderungen im Kampf gegen Rassismus nötig. Die Verteidigung hatt eine Bewährungsstrafe für Chauvin gefordert, die Staatsanwaltschaft 30 Jahre Haft.


Chauvin spricht Angehörigen sein Beileid aus

Chauvin wandte sich erstmals an die Angehörigen. „Ich möchte der Familie Floyd mein Beileid aussprechen“, sagte Chauvin am Freitag in dem Gerichtssaal. Wegen eines gerichtlichen Bundesverfahrens und einer möglichen Berufung könne er zur Zeit aber keine vollständige Stellungnahme abgeben.

Neben Chauvin wurden 3 weitere am Einsatz gegen Floyd beteiligte Ex-Polizisten angeklagt. Sie werden in einem Verfahren in Minneapolis ab März nächsten Jahres vor Gericht stehen. Ihnen wird Beihilfe zur Last gelegt. Auch ihnen könnten mehrjährige Haftstrafen drohen.

Bruder von George Floyd forderte maximale Strafe


Zuvor hatten sich die Brüder von Floyd emotional geäußert. „Was hast du gedacht, was ging dir durch den Kopf, als du auf den Nacken meines Bruders gekniet hast?“, sagte Terrence Floyd am Freitag in dem Gerichtssaal in Anwesenheit des Verurteilten.

Während seiner kurzen Rede musste Floyd immer wieder mit den Tränen kämpfen. Er forderte die „maximale Strafe“ für Chauvin.

Tochter mit Video-Botschaft für verstorbenen Vater


Auch George Floyds zweiter Bruder, Philonise, musste um Fassung ringen, als er am Freitag vor dem Gericht darüber redete, dass der Getötete seine kleine Tochter Gianna nie wieder sehen werde: „Er wird niemals den Gang bei ihrer Hochzeit entlangschreiten können“, bei ihrem 16. Geburtstag da sein oder sie ihren Schulabschluss machen sehen, sagte er. Seit dem Tod seines Bruders habe er keine Nacht ruhig schlafen können und stattdessen Floyds Tod wieder und wieder durchlebt.

George Floyds siebenjährige Tochter Gianna Floyd sagte in einem abgespielten Video „ich vermisse und liebe Dich“ in Richtung ihres Vaters. Floyds Neffe Brandon Williams klagte: „Unsere Familie ist für immer zerbrochen“.
beraubt zu haben.

Floyd-Denkmal geschädigt

In New York wurde indes ein Floyd-Denkmal geschändet. Unbekannte beschmierten es mit schwarzer Farbe. Auf der fast 2 Meter großen Büste sei am Donnerstag die Aufschrift „Patriot Front“, der Name einer Neonazi-Gruppierung, gefunden worden, teilte die New Yorker Polizei mit.

Ein rassistisch motivierter Hintergrund der Tat werde untersucht. Das Denkmal war erst am vergangenen Samstag eingeweiht worden. „Ich sage ganz klar zu der Neonazi-Gruppe, die das getan hat: Raus aus unserem Bundesstaat“, so der Gouverneur von New York, Andrew Cuomo.


apa/stol