Dienstag, 30. April 2019

Mehr als 42.000 Vertriebene durch Kämpfe um Tripolis

Russlands Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan haben nach Kreml-Angaben bei einem Telefonat eine schnellstmögliche Waffenruhe für Libyen gefordert. Es sei eine rasche Wiederaufnahme der Konfliktlösung unter dem Dach der Vereinten Nationen nötig, hieß es in einer am Dienstagabend veröffentlichten Kreml-Mitteilung.

Viele Menschen sind wegen der Kämpfe verängstigt Foto: APA (AFP)
Viele Menschen sind wegen der Kämpfe verängstigt Foto: APA (AFP)

Putin und Erdogan sprachen demnach auch über die Lage in Syrien. Dort wollten die Türkei und Russland ihr Vorgehen bei einer Stabilisierung der Situation in der Provinz Idlib weiter eng miteinander abstimmen, hieß es. Dabei gehe es darum, gemeinsame Schritte zu ergreifen, um terroristische Gruppierungen zurückzudrängen.

Die Provinz Idlib wird größtenteils von der islamistischen Gruppe Hayat Tahrir al-Sham (HTS) kontrolliert. Die Provinz ist die letzte Region Syriens, die noch überwiegend in der Hand von Rebellen ist. Erdogan und Putin sprachen demnach über den Verlauf des zwölften internationalen Syrien-Treffens mit Delegationen aus Russland, der Türkei und dem Iran in der vergangenen Woche in Kasachstan.

Vorrangige Aufgabe sei es nun, dass der geplante Verfassungsausschuss für Reformen in Syrien seine Arbeit aufnehmen könne, hieß es. Russland steht im Syrien-Konflikt auf der Seite von Machthaber Bashar al-Assad. Die Türkei unterstützt hingegen die Opposition.

Das Gespräch der beiden Staatschefs drehte sich dem Kreml zufolge auch um bilaterale Fragen. Das NATO-Land Türkei will gegen den Widerstand der USA russische Luftabwehrsysteme vom Typ S-400 kaufen. Am Vortag hatte Erdogan US-Präsident Donald Trump eine gemeinsame Arbeitsgruppe vorgeschlagen, um den Streit zu entschärfen.

In Libyen kämpfen Truppen von General Khalifa Haftar gegen die von den Vereinten Nationen unterstützte Regierung von Ministerpräsident Fayez al-Sarraj. Seit Beginn der jüngsten Kämpfe um die libysche Hauptstadt Tripolis sind nach Angaben des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) mehr als 42.000 Menschen vertrieben worden. Manche hätten in Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden Zuflucht gefunden, andere seien bei Angehörigen untergekommen, sagte ein UNHCR-Sprecher am Dienstag in Genf.

Mindestens 278 Tote

Mindestens 278 Menschen seien seit Aufflammen der Kämpfe Anfang des Monats ums Leben gekommen und mehr als 1.300 verletzt worden. Viele Menschen seien verängstigt und verzweifelt und trauten sich nicht mehr aus den Häusern. Es fehlten Nahrungsmittel, Wasser und Benzin. Immer öfter falle der Strom aus.

Das UNHCR kümmert sich in Libyen um Flüchtlinge, von denen viele aus Süden kommend das Mittelmeer erreichen wollen, um nach Europa zu gelangen. Es unterstütze aber auch die einheimische Bevölkerung. Gerade seien drei voll ausgestattete Krankenwagen Krankenhäusern übergeben worden. Das UNHCR verteile zudem unter anderem Decken, Schlafmatten, Solarlampen und Küchenutensilien.

apa/dpa

stol