Mittwoch, 25. September 2019

Mehr als tausend Festnahmen nach Protesten in Ägypten

Nach den Protesten gegen Präsident Abdel Fattah al-Sisi haben die ägyptische Behörden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen mehr als tausend Menschen festgenommen. Das Ägyptische Zentrum für Freiheiten und Rechte teilte am Mittwoch mit, seit Freitag habe es insgesamt 1.003 Festnahmen gegeben. Das Ägyptische Zentrum für wirtschaftliche und soziale Rechte sprach sogar von 1.298 Festnahmen.

In mehreren ägyptischen Städten kam es zu Protesten Foto: APA (AFP/MOHAMED SAIED Facebook)
In mehreren ägyptischen Städten kam es zu Protesten Foto: APA (AFP/MOHAMED SAIED Facebook)

Bei für Ägypten seltenen Protestaktionen hatten am Freitag und Samstag hunderte Menschen den Rücktritt von Staatschef Sisi gefordert. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei, die teils Tränengas gegen die Demonstranten einsetzte.

Wie am Mittwoch bekannt wurde, sind unter den Inhaftierten auch zwei Professoren, die als Kritiker der ägyptischen Regierung bekannt sind. Nach Angaben von Angehörigen und Anwälten wurden am Dienstagabend die Professoren Hasem Hosni und Hassan Nafaa festgenommen, die an der Universität Kairo lehren.

Die deutsche Regierung erwartet unterdessen, dass die nach den jüngsten Demonstrationen in Ägypten festgenommenen Menschen nicht ohne Anklage dauerhaft festgehalten werden. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte am Mittwoch in Berlin: „Laut unbestätigten Informationen wurden in Folge der Demonstrationen am vergangenen Wochenende bisher um die 1.000 Menschen verhaftet”. Die deutsche Regierung gehe davon aus, dass Personen, denen kein Vorwurf gemacht werden könne, „umgehend freikommen”.

Deutschland habe bereits beim Menschenrechtsrat in Genf erklärt, dass „wir der Auffassung sind, dass die zunehmende Unterdrückung der Zivilgesellschaft und der freien Presse nicht zu einer Stabilisierung Ägyptens beiträgt”. Die zunehmende Repression führe im Gegenteil zu „Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus”.

In Kairo und anderen ägyptischen Städten waren ab Freitagabend hunderte Demonstranten auf die Straße gegangen. Dutzende versammelten sich in der Hauptstadt auch auf dem symbolträchtigen Tahrir-Platz - 2011 Schauplatz wochenlanger Massenproteste, die den Langzeitherrscher Hosni Mubarak aus dem Amt vertrieben hatten. Videoaufnahmen von den Freitagskundgebungen zeigten, wie Demonstranten „Sisi, hau ab” riefen.

Der im spanischen Exil lebende ägyptische Unternehmer Mohamed Ali hatte mit Korruptionsvorwürfen gegen den Präsidenten die Proteste ausgelöst. Am Mittwoch rief Ali dazu auf, am Freitag erneut auf die Straße zu gehen.

apa/ag./dpa

stol