<b>Wieder ein Rekordhaushalt für Südtirol, während rundherum alles schwächelt: Sie sagten bei der Vorstellung des Haushaltes 2026, es sei dies ein Zeichen dafür, „dass wir in der Wirtschaftspolitik vielleicht doch nicht alles falsch gemacht haben“. Auf welche richtigen Maßnahmen führen Sie das Wachstum zurück?</b><?O_Fett><?_O_Fett><BR />Arno Kompatscher: Wenn man sich die Zahlen der vergangenen Jahre ansieht, dann sieht man, dass wir während Covid weniger abgestürzt sind als andere. Und dass wir wesentlich besser aus der Krise gekommen sind: Wir haben beim Wirtschaftswachstum alle überholt. Das liegt sicher auch daran, dass wir damals mit 500 Millionen Euro Sondermaßnahmen Familien und Unternehmen zum richtigen Zeitpunkt unterstützt haben. Das zahlt sich bis heute aus. Ein Vergleich mit beispielsweise Österreich zeigt: Dort sinken die Haushalte 2026 auf den verschiedenen Ebenen durch die Bank um rund 15 Prozent zum Vorjahr. Wir haben ein Plus von zehn Prozent.<BR /><BR /><BR /><b>Der Anfangshaushalt 2026 liegt bei 8,76 Milliarden Euro. Von welchem Wert gehen Sie bei der Abschlussrechnung aus?</b><BR />Kompatscher: Von über zehn Milliarden Euro.<BR /><BR /><BR /><b>Wie erklärt sich bei so viel Wirtschaftskraft, dass viele Südtiroler auch aus dem viel zitierten Mittelstand mit ihrem Geld nicht mehr über die Runden kommen?</b><BR />Kompatscher: Das liegt daran, dass die Preise kräftig angezogen haben, insbesondere die Energiepreise – und die stecken nun mal in jedem Produkt. Die Löhne haben aber nicht prompt mitgezogen. Bei den öffentlichen Bediensteten legen wir hier gerade selber zu. Bei der Privatwirtschaft wollen wir dies über die IRAP-Senkung erreichen, damit es auch dort zu besseren Löhnen kommt. Wir werden dazu die Anreize weiter ausbauen und sind im Gespräch mit den entsprechenden Sozialpartnern. <BR /><BR /><BR /><b>Bei einem Haushalt von – wahrscheinlich – über zehn Milliarden Euro: Welche zusätzlichen „Zuckerlen“ sind da drin?</b><BR />Kompatscher: Die wichtigste Botschaft für den Bürger ist sicherlich, dass wir die Einkommensgrenze für die Wohnbauförderung stark anheben werden – auf deutlich über 100.000 Euro brutto Familienjahreseinkommen. Wir sehen die Wohnbauförderung nicht als soziale Maßnahme, sondern als eine mit Breitenwirkung. Denn zuletzt ist gerade der Mittelstand hier immer wieder aus den Förderkriterien rausgeflogen. Doch dieser Mittelstand trägt einen Großteil des Steueraufkommens – und soll davon auch etwas zurückbekommen. Wir werden dafür also zusätzliche Mittel bereitstellen, wahrscheinlich schon mit der ersten Haushaltsänderung im kommenden März.<BR /><BR /><BR /><b>Ein anderes Beispiel?</b><BR />Kompatscher: Wir werden bei der Finanzierung von Altersheim-Bauten die Gemeinden stärker unterstützen: Statt mit bisher 108.000 Euro pro Bett wird es 195.000 Euro geben. Das läuft – wohlgemerkt – außerhalb der eigentlichen Gemeindenfinanzierung direkt über das Sozialressort von Landesrätin Rosmarie Pamer.<BR /><BR /><BR /><b>Und wo im Haushalt stecken die Sparvorschläge des Sonderbeauftragten des Landes, Andrea Zeppa?</b><BR />Kompatscher: Die bauen wir laufend in unsere Beschlüsse ein. Angesichts des Haushaltsvolumens geht es meistens nicht um „sparen“ im engeren Sinn, sondern darum, Geld besser auszugeben. Beispiel ist das Ersetzen von Gießkannen-Förderungen für die Wirtschaft durch sogenannte „Impact-Investment-Förderungen“, das heißt, es werden nur mehr Investitionen gefördert, die „nachhaltig“ sind, beispielsweise im Sinne der Energiewende. Dadurch wird die Ausgabe – und das entsprechende Haushaltskapitel – zwar nicht weniger, aber das Geld wird effizienter und effektiver eingesetzt.