Mittwoch, 17. April 2019

Mehrere Raketen in Tripolis eingeschlagen

In der libyschen Hauptstadt Tripolis sind am Dienstagabend mehrere Raketen eingeschlagen. Mindestens sieben heftige Explosionen erschütterten die Stadt. Aus einem Stadtteil im Süden der Hauptstadt stiegen nach Angaben von Augenzeugen dichte Rauchwolken auf. Ein Regierungsvertreter in Tripolis sprach anschließend von zwei Toten und acht Verletzten.

Noch ist kein Ende der Kämpfe absehbar. - Foto: APA (AFP)
Noch ist kein Ende der Kämpfe absehbar. - Foto: APA (AFP)

Der den Osten des Landes dominierende libysche General Khalifa Haftar hatte Anfang April eine Offensive auf Tripolis gestartet. Bei den heftigen Gefechten wurden bereits mehr als 170 Menschen getötet. Hunderte Menschen wurden verletzt.

In dem nordafrikanischen Land herrscht seit dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos. Die 2016 aufgrund eines von der UNO vermittelten Abkommens eingesetzte Regierung in Tripolis hat wenig Einfluss und ist weitgehend auf die in der Stadt und dem Umland herrschenden Milizen angewiesen.

Angesichts der Kämpfe in Libyen wächst die Sorge vor möglichen Auswirkungen auf Europa – insbesondere vor stärkeren Migrationsbewegungen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) und die Internationale Organisation für Migration (IOM) warnten aber am Dienstag vor Spekulationen, wie viele Menschen die Flucht nach Europa wagen könnten.

Zahlen sind schwierig vorherzusagen

„Zu diesem Zeitpunkt hat sich im Zuge des Konflikts noch niemand über das Meer auf den Weg gemacht“, sagte IOM-Sprecher Flavio Di Giacomo. Es sei unmöglich, irgendeine Prognose zu stellen. „Bereits in der Vergangenheit gab es so viele Zahlen, die sich dann als falsch herausgestellt haben“, sagte er. Demnach wollen nicht alle Migranten, die sich in Libyen befinden, das Land auch verlassen. Für ungefähr 650.000 Migranten sei Libyen Ziel- und nicht Transitland.

„Das unbeständige Szenario in Libyen könnte zu einer Situation führen, in dem das Geschäft für Menschenschmuggel durch das Chaos und fehlende Rechtsstaatlichkeit begünstigt wird“, sagte ein UNHCR-Sprecher. „Die Zahlen sind allerdings schwierig vorherzusagen.“

Der libysche Vizeministerpräsident Ahmed Maitik hatte am Dienstag in Rom erklärt, dass nach Berechnungen der dortigen Einheitsregierung rund 800 000 Migranten „Europa erreichen könnten“. Eine Grundlage, auf der diese Berechnung basiert, nannte er nicht.

625 Migranten bisher nach Italien gekommen

In den vergangenen Jahren machten sich Abertausende Migranten von Libyen aus auf den Weg nach Europa, die Zahlen haben sich aber drastisch reduziert. In diesem Jahr erreichten 625 Migranten Italien.

In Libyen konkurrieren zwei Regierungen um die Macht. Der mächtige General Chalifa Haftar hatte zuletzt seinen Truppen den Vormarsch auf die Hauptstadt Tripolis befohlen. Die Kontrolle über Tripolis haben bislang Verbündete der international anerkannten Einheitsregierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch.

apa/ag.

stol