Sonntag, 04. November 2018

Mehrheit gegen Abspaltung Neukaledoniens von Frankreich

Bei einem Referendum im französischen Überseegebiet Neukaledonien hat eine deutliche Mehrheit gegen die Unabhängigkeit gestimmt. Nach Auszählung fast aller Stimmen waren knapp 57 Prozent dagegen, wie das öffentlich-rechtliche Fernsehen der Inselgruppe berichtete. Für die Trennung stimmten etwa 43 Prozent. Das offizielle Ergebnis wurde noch im Laufe des Sonntags (MEZ) erwartet.

Das Referendum hätte ursprünglich bereits 1998 stattfinden sollen. - Foto: APA (AFP)
Das Referendum hätte ursprünglich bereits 1998 stattfinden sollen. - Foto: APA (AFP)

Das Resultat bedeutet vor allem für die Bevölkerungsgruppe der Kanaken - Neukaledoniens Indigene - eine Enttäuschung. Von ihnen hoffen viele seit langem auf einen eigenen Staat. Das Nein fiel allerdings nicht so deutlich aus wie von vielen erwartet.

Zudem bedeutet es nicht, dass die Hoffnung der Separatisten endgültig gestorben ist. Bis 2024 sind nach früheren Abmachungen mit Paris noch 2 weitere Volksabstimmungen möglich. Aktuell sind noch knapp 40 Prozent der Bevölkerung Kanaken. „Kanake” bedeutet auf Deutsch „Mensch”.

Wahlberechtigt waren etwa 175.000 Bewohner der Inselgruppe im südlichen Pazifik. Die Beteiligung lag nach vorläufigen Zahlen bei etwa 80 Prozent. Ursprünglich hätte die Abstimmung bereits 1998 stattfinden sollen. Sie wurde aber immer wieder hinausgezögert. Der französische Präsident Emmanuel Macron begrüßte das Votum.

Am Montag wird der französische Premierminister Edouard Philippe zu einem Besuch in der Hauptstadt Noumea erwartet. Aus Sorge vor Unruhen verstärkte der Staat die Sicherheitskräfte. In einigen Stadtvierteln Noumeas wurden in der Nacht Autos in Brand gesetzt.

Das Archipel Nouvelle-Caledonie (wörtlich übersetzt: Neuschottland) wurde 1853 von Paris in Besitz genommen und anfangs als Sträflingsinsel genutzt. Heute sind dort mehr als 280.000 Menschen zuhause - neben Kanaken und Nachfahren der Kolonialsiedler inzwischen auch viele Zuwanderer aus anderen Pazifikstaaten. Aktuell erhalten die Inseln pro Jahr etwa eine Milliarde Euro aus Paris.

apa/dpa/ag.

stol