<b>Meran erstickt im Verkehr, der Küchelbergtunnel erst in Jahren realisiert. Was wollen Sie jetzt und konkret dagegen unternehmen?</b><BR />Dario Dal Medico: Wir müssen den städtischen Verkehrsplan, der vom Verwaltungsgericht aufgehoben wurde, erneut angehen; aber mit einem anderen Ansatz, ohne Autos zu kriminalisieren. Wir müssen den besten Kompromiss zwischen Luftqualität und Umweltschutz einerseits und Lebensqualität für Meraner, Touristen und Unternehmen andererseits finden. Wir müssen Bike-Sharing und Car-Sharing verstärken, das Radwegenetz ausbauen bzw. fertigstellen; mehr E-Fahrzeuge auch für Warenlieferungen im Stadtzentrum. Wir müssen den Parkplatz am Bahnhof auf Schiene bringen. Dies nur um ein paar Dinge zu nennen.<BR /><BR /><b>An den Wochenenden kommt es regelmäßig zu Schlägereien im Stadtzentrum. Eltern und junge Menschen sind besorgt, Barbetreiber haben eigene Security-Leute. Haben Sie ein wirksames Rezept dagegen?</b><BR />Dal Medico: Es herrscht eher ein weit verbreitetes „Unsicherheitsgefühl“ als ein echtes Sicherheitsproblem. Das ändert nichts an der Tatsache, dass jeder das Gefühl haben sollte, sich in unserer Stadt Tag und Nacht in Sicherheit bewegen zu können. Wir müssen an Prävention und Repression arbeiten. Wir müssen Videoüberwachung und intelligente Straßenbeleuchtung ausbauen und Streetworker fördern. Ich möchte die „Nachbarschaftskontrolle“ zur Unterstützung der Polizei einführen, um deren Arbeit zu erleichtern und effizienter zu gestalten.<BR /><BR /><b>Meran hat vergleichsweise hohe Müllgebühren und dennoch muss man sich um Entsorgung des Recycling-Mülls selbst kümmern. Entsprechend verdreckt sind die Wertstoffinseln. Kommt mit Ihnen eine Müllreform? Wird Biomüll vor der Haustür abgeholt?</b><BR />Dal Medico: Es braucht eine neue Abfallbewirtschaftungspolitik. Die Stadtwerke sind gefordert, ein neues Müllsammelkonzept zu entwickeln, um illegale Müllablagerungen zu reduzieren bzw. zu eliminieren. Wir wollen Müllverdichter für Plastik einführen und das Mülltrennen mit einer neuen Haus-zu-Haus-Sammlung von Biomüll verbessern. Zudem braucht es weiterhin Kontrollen und Strafen.<BR /><BR /><b>In Meran gehen die Wohnungspreise durch die Decke und sind für junge Meraner nicht mehr leistbar. Wo gilt es konkret anzusetzen?</b><BR />Dal Medico: Dass Wohnen in Meran teuer ist, ist bekannt. Leider spielt uns die Beschaffenheit unseres Stadtgebietes nicht in die Hände. Die Wohnbauzonen sind vergeben und wir müssen schauen, ob und wie wir erweitern können. Wir sind eine Tourismusstadt und viele Ausländer investieren in Meran. Das heißt, dass wir die Schwächeren in der Gesellschaft schützen müssen. Ich möchte in der 1. Mai-Straße im Stadtviertel Maria Himmelfahrt auf einem Grundstück der Gemeinde erschwingliche Wohnungen für Jung und Alt erreichten lassen.<BR /><BR /><b>Noch ist das riesige Kasernenareal im Staatsbesitz. Sollte die Gemeinde darauf Zugriff kriegen, was wollen Sie daraus machen? </b><BR />Dal Medico: Das ist ein riesiges Projekt, das unter Einbeziehung aller Bürgerinnen und Bürger realisiert werden muss. Es braucht eine homogene Projektierung, die beispielgebend ist in der Anwendung ökologisch-nachhaltiger Technologien, in Sachen Bio-Architektur und energieeffizienter Bauweise. Ein Teil davon könnte dem Wohnungsbau vorbehalten werden, ein Teil fürs Handwerk, ein Teil muss sicher für Sport und Sportvereine bestimmt sein, um der Jugend Raum zu geben – und natürlich viel Grün. <BR /><BR /><b>Beim Pferderennplatz steht eine Übernahme der Aktienmehrheit durch das Land im Raum. Wie stehen Sie dazu? Welche Zukunft schwebt Ihnen dafür vor?</b><BR />Dal Medico: Ich bin für eine Kapitalspritze, um dem Pferderennplatz, der bereits sehr gut geführt wird, neuen Schwung zu verleihen. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass der Pferderennplatz auch historisch eng mit Meran verbunden ist. Meran kann 50 Prozent der Anteile ans Land abtreten, muss aber die Mehrheit im Verwaltungsrat behalten. Der Erlös aus dem Verkauf der Anteile sollte in der Stadt investiert werden.<BR /><BR /><b>Holen sich diesmal die Italiener nach Jahrzehnten als Juniorpartner das Rathaus zurück?</b><BR />Dal Medico: Es ist kein Krieg. Hören wir auf, daraus eine Sprachgruppen-Frage zu machen, das ist sie nicht. Ich verfolge Ideen und Ziele, die keine Sprache oder ethnische Zugehörigkeit kennen. Ich möchte, dass man mich für meine Ideen und mein Benehmen schätzt, ohne mich wegen meiner Muttersprache auszuschließen. Ideen verbinden, lassen wir nicht zu, dass Vorurteile uns spalten.<BR /><BR /><b>Mit Polit-Profi Urzì und seinen Fratelli d'Italia, die italienweit Morgenluft wittern, haben Sie diesmal ernstzunehmende Konkurrenz. Wie viele Stimmen wird er Ihnen kosten?</b><BR />Dal Medico: Ich sehe das nicht als Konkurrenz. Ich und wir als Bürgerlisten haben eine ganz andere Art, uns zu präsentieren. Ich bin konstruktiv, integrativ, interethnisch, proaktiv, strebe danach, zweisprachig zu sein und möchte mich darin auch stetig verbessern. Ich möchte mit den Menschen reden, mit den Verbänden, den Stadtvierteln und überhaupt mit jedem, der dies will. Kurz gesagt: Wir haben eine ganz andere Art, sich zu präsentieren. Das ist keine Konkurrenz. Ehrlich gesagt, habe ich keine Angst, Stimmen an die Rechte zu verlieren.<BR /><BR /><b>Sollten Sie nicht in die Stichwahl kommen, an wen ginge Ihre Stimme: Zeller oder Rösch oder niemand? Und steigen Sie dann aus der Politik wieder aus?</b><BR />Dal Medico: Zunächst einmal möchte ich in die Stichwahl kommen, das ist mein und unser Ziel. Sollte ich es nicht in die Stichwahl schaffen, kann ich nur meine persönliche Meinung oder Wahlempfehlung sagen. Die Listen, die mich unterstützen, haben dann mehr Gewicht. Und die Bürger werden ihren Kopf und den Bleistift in der Wahlkabine zu benutzen wissen. Sagen wir so: Ich habe mich immer als Alternative zur Rösch-Stadtverwaltung präsentiert.<BR />