Montag, 16. September 2019

Migranten wegen Foltervorwürfen in Italien festgenommen

Elektroschocks, Erniedrigungen, Erpressung oder der Tod: Drei Migranten sind wegen des Vorwurfs der Folter in libyschen Lagern in Italien festgenommen worden.

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Die Verdächtigen sollen Migranten in dem nordafrikanischen Land vergewaltigt, gequält oder umgebracht sowie ihre Familien erpresst haben, teilte die Polizei im sizilianischen Agrigent mit. Erstmals werde beim Thema Migration auch der Vorwurf Folter erhoben.

Die Männer sollen ein illegales Lager in Sauia westlich von Tripolis an der Küste geführt haben. „Die Migranten wurden systematisch schikaniert und Gräueltaten ausgesetzt – durch wiederholte und ständige körperliche Gewalt“, heißt es in der Mitteilung. Brutale Schläge mit Stöcken, Gewehrschüsse, Elektroschocks gehörten dazu.

Die Festgenommenen hätten sich unter die Migranten auf dem italienischen Rettungsschiff „Alex“ gemischt und seien dann in einem Aufnahmelager in Messina gefasst worden, so die Polizei. Geflüchtete auf dem Schiff hätten der Polizei Information über die mutmaßlichen Täter gegeben.

„Wer nicht bezahlt hat, wurde mit Elektroschocks gefoltert. Sie haben dir Stromschläge verpasst, die dich ohnmächtig zu Boden gehen ließen. Ich habe so viele Morde mit Elektroschocks gesehen“, zitierte die Polizei ein Opfer. Die Gefangenen hätten nur Meerwasser zu trinken und trockenes Brot zu essen bekommen. Einige seien verhungert. Alle Frauen seien mehrmals vergewaltigt worden.

Seit Jahren herrschen in Libyen Bürgerkrieg und Chaos. Migranten versuchen, über das Land nach Europa zu kommen. Für viele endet diese Reise in einem Internierungslager. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hatte letzte Woche entsetzliche Zustände und willkürliche Internierungen in einem Lager im Westen Libyens beklagt. Dennoch unterstützt die EU die libysche Küstenwache, die die Bootsflüchtlinge wieder in das Land zurückbringt.

dpa

stol