Freitag, 04. November 2016

Milchwirtschaft: Opposition spricht von „Krieg“ und „Skandal“

Die Milch scheidet zurzeit die Geister, die politischen, ökonomischen und landwirtschaftlichen. Der Hintergrund: Der Milchhof Mila/Bergmilch hatte angekündigt, dass Mila-Mitglieder Abschläge beim Auszahlungspreis der Milch hinnehmen müssten, falls der Anteil „ausländischer Kühe“ in ihren Ställen 10 Prozent übersteige.

Die Milch scheidet zurzeit die Nord- und Südtiroler Geister.
Badge Local
Die Milch scheidet zurzeit die Nord- und Südtiroler Geister. - Foto: © shutterstock

Landesrat Arnold Schuler versuchte am Donnerstag Ruhe in die angespannte Stimmung zu bringen. Nach einem Treffen mit den Nordtiroler Landesrat Josef Geisler meinte er: „Meinem Tiroler Kollegen und mir war dieses Thema bereits seit Frühjahr bekannt, dass es nun für solch hohe Wellen sorgt, ist für uns beide unverständlich“. Und erklärte: „Der Milchpreis wird nur dann reduziert, wenn ein Bauer überdurchschnittlich viel Milch produziert und Vieh nach Südtirol importiert hat.“

Kritik von Süd-Tiroler Freiheit und Grünen

Am Freitag meldeten sich die Süd-Tiroler Freiheit und die Südtiroler Grünen in der Gesamttiroler Debatte zu Wort.

Christoph Mitterhofer, Mitglied der Jugendleitung der Süd-Tiroler Freiheit, schrieb in einer Aussendung von „Erpressung“ und „Wettbewerbsverzerrung“, während die Grünen den Begriff „Milchkrieg“ - den sie selbst unter Anführungszeichen setzten – kreierten.

„Erpressung“ und „Milchkrieg“

Für die Junge Süd-Tiroler Freiheit sei die Mila/Bergmilch-Entscheidung ein „Skandal“ schrieb Mitterhofer, selbst Jungbauer und Gemeinderat in Meran. Diese Art der Erpressung und Wettbewerbsverzerrung dürfe es in einem gemeinsamen Europa nicht geben und meint „etwas Kontraproduktiveres für die Vernetzung zwischen den Landesteilen hätten man nicht tun können“.

Und stellt abschließend fest, dass grundsätzlich in der gesamten Landwirtschaftsbranche die Preise am Boden sind. Aber durch gegenseitiges Ausstechen, so Mitterhofer abschließend, würde sich die Situation sicher nicht verbessern.

Auch die Grünen bezogen am Freitag Position im „Tiroler Milchkrieg“. Die Beziehungen zwischen dem Bundesland Tirol und Südtirol seien nicht in Bestform, ja sogar auf einem Tiefstand, stellen die Grünen fest und schreiben von einem „Versuch des faktischen Importverbots für Vieh aus Tirol durch Bergmilch Südtirol“.  

Grüne stellen Landtagsanfrage

Obwohl die Mila-Sanktion bisher nicht greife und nur dann eintreten soll, wenn die angelieferte Milchmenge von Oktober bis Dezember 2016 die der letzten beiden Jahre übersteigt, sei eine derartige Diskriminierung jedoch Gift für die Beziehungen und zudem ein Bruch europäischen Unionsrecht, so die Grünen – sie haben diesbezüglich eine Landtagsanfrage gestellt.

stol/aw 

stol