Freitag, 18. Juni 2021

Ministerpräsident Draghi: „EU hat Gefahr des Populismus unterschätzt“

Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi ist der Ansicht, dass die EU in den letzten Jahren die Gefahr des Populismus unterschätzt hat. „Wir müssen sicherstellen, dass die Erholung von der Wirtschaftskrise fair und nachhaltig ist. In der jüngsten Vergangenheit haben wir die Bedeutung des sozialen Zusammenhalts vergessen. Wir haben die Demokratie als selbstverständlich angesehen und die Gefahr des Populismus ignoriert“, so Draghi in Barcelona.

„Wir haben die Demokratie als selbstverständlich angesehen“, sagte Ministerpräsident Mario Draghi in Barcelona.
„Wir haben die Demokratie als selbstverständlich angesehen“, sagte Ministerpräsident Mario Draghi in Barcelona. - Foto: © ANSA / ANGELO CARCONI
„Gleichzeitig müssen wir während der Phase des Aufschwungs sicherstellen, dass wir dem Klimawandel mehr Aufmerksamkeit schenken. Wir können nicht aus der Gesundheitskrise herauskommen und dann schlafwandelnd in eine Umweltkrise eintreten“, fügte er bei einem Wirtschaftsforum in Barcelona hinzu. Europa müsse sich als Ziel setzen, die Wirtschaft wieder auf das Niveau vor der Pandemie zurückzuführen.

Laut Draghi sei der Corona-Notstand noch lange nicht vorbei, da ein Großteil der Welt ungeimpft und die Gefahr konkret sei, dass sich neue Varianten entwickeln. „Die allgemein günstigen Wirtschaftsaussichten verbergen einige bedeutende Risiken“, sagte der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank.

„Obwohl die Pandemie-Situation unter Kontrolle zu sein scheint, sind wir noch lange nicht am Ende gelangt. Die Impfkampagne hat sich bisher auf die reiche Welt konzentriert. Nur 0,3 Prozent der Dosen sind an Länder mit niedrigem Einkommen gegangen. 85 Prozent der Dosen erhielten die reicheren Länder. Dieser Unterschied ist nicht nur ethisch ungerecht, sondern auch hochgefährlich. Solange das Virus frei zirkuliert, besteht immer die Gefahr neuer Varianten. Eine oder mehrere Varianten könnten gegen unsere Impfstoffe resistent sein und die Kampagnen gefährden“, warnte Draghi.

apa/stol