Donnerstag, 23. April 2020

Mit oder ohne Corona: „In den Seniorenheimen stirbt kein Mensch ohne hervorragende Betreuung“

Für die 77 Seniorenwohnheime in Südtirol stellt der momentane Ausnahmezustand eine besondere Situation dar, zählt doch ein Großteil der Heimbewohner zur gefährdeten Risikogruppe von Covid-19. Wie die Heime mit dieser Situation umgehen, berichteten am Donnerstag Landeshauptmann Arno Kompatscher, Landesrätin Waltraud Deeg und Oswald Mair, Direktor des Verbandes der Seniorenwohnheime (VdS)

Oswald Mair, Direktor des Verbandes der Seniorenwohnheime
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Oswald Mair, Direktor des Verbandes der Seniorenwohnheime - Foto: © lpa
Landeshauptmann Arno Kompatscher erläuterte zunächst wie gewohnt die Zahlen. Der Anteil der positiv Getesteten geht seit mehr als 14 Tagen kontinuierlich zurück. Die Zahl der Geheilten steigt.

Die Situation sei zwar noch nicht vorbei, aber es gehe in die richtige Richtung. Die Regierung siehe wohl einige Lockerung schon für nächste Woche vor, das ist allerdings noch nicht spruchreif, so der LH. Ab 4. Mai werden dann die meisten Tätigkeiten wieder starten. Schutzmasken werden auch dort Pflicht sein, das Land wird den Unternehmen bei der Beschaffung behilflich sein.

Nur die Gastronomie und die Hotellerie wird wohl noch etwas länger warten müssen, und auch die unmittelbaren Dienste am Menschen.

Situationen in Seniorenwohnheimen

Oswald Mair räumte während der virtuellen Medienkonferenz mit Vorurteilen und Falschmeldungen in Bezug auf die Seniorenheime auf. Der Standard in Südtirol sei sehr hoch, die Betreuung der Menschen in den Heimen war vor Corona und ist auch während Corona mehr als professionell.

Pietätlose Falschmeldungen und Unterstellungen

Aus den Heimen gibt und gab es vieles zu berichten, aber die Seniorenheime mit Massensterben, Missständen oder sogar mit der Entsorgung alter Menschen in Müllsäcken in Verbindung zu bringen, das gehe zu weit, so Mair empört. Diese Pietätlosigkeit ist einfach zu viel.

In den Südtiroler Heimen stirbt kein Mensch ohne hervorragende palliative Betreuung oder ohne fachlich hochwertige Begleitung. Man sei gezwungen die Corona-Maßnahmen umzusetzen, und dies wurde und wird auch getan, weil sie schlicht und einfach Leben retten. Das Leben in den Heimen geht auch in dieser schweren Zeit weiter, es gibt einen Alltag und wir geben niemals auf.

Transparenz ist Mair hohes Anliegen

Höchste Transparenz sei Mair ein großes Anliegen und lieferte auch alle aktuellen Covid-19 Zahlen, die die Heime betreffen. In den 77 Südtiroler Seniorenheimen leben bekanntlich 4300 Menschen (keine Insassen!!) In 24 Heimen gab es mit Stand Mittwochabend zumindest einen Heimbewohner mit einem positiven oder zweifelhaften Test, in 11 davon sind es zwischen einem und 5 Bewohner mit positivem oder zweifelhaftem Test, in 6 sind es mehr als 15.

Zur Zeit seien 188 Heimbewohner in 52 Heimen isoliert. Der höchste Stand war vor etwa 14 Tagen, da waren es 446 Isolierte.

102 Menschen sind leider am Coronavirus gestorben, 98 sind allerdings inzwischen genesen. Das zeigt uns, dass auch 80, 90 oder 100-Jährige Corona überleben.

In 24 von 77 Heimen weist mindestens ein Mitarbeiter einen positiven Test auf. In 20 von 77 Heimen gab es mindestens einen Bewohner und einen Mitarbeiter, die positiv getestet. Das bedeutet: In über 50 ist dies nicht der Fall.

Kinderbetreuung: Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Landesrätin Waltraud Deeg ergriff das Wort und ging kurz auf die Frage: „Wohin mit den Kindern, wenn die Eltern wieder arbeiten gehen?“ ein.

In einer Videokonferenz mit Familienministerin Elena Bonetti habe die Landesrätin Deeg am Mittwoch beraten. Zusammen mit dem Sanitätsbetrieb werde nun ein Konzept erarbeitet, um die Betreuungseinrichtungen nach und nach wieder öffnen zu können.

35 Millionen habe Italien für Sommerbetreuungsprojekte eingeplant.


vs