Sonntag, 29. August 2021

Montenegro: Gespannte Lage vor Amsteinführung des Kirchenführers

Die am Sonntag, 5. September, geplante Amtseinführung des serbisch-orthodoxen Metropoliten Joanikije sorgt in Montenegro für schwere Spannungen. Anhänger der staatlichen Identität Montenegros lehnen die Zeremonie in der historischen Hauptstadt Cetinje vehement ab. Sie kündigten Proteste an.

Auch Präsident Milo Djukanovic forderte dazu auf, die Inthronisierung zu verschieben oder aus Cetinje auszulagern.
Auch Präsident Milo Djukanovic forderte dazu auf, die Inthronisierung zu verschieben oder aus Cetinje auszulagern. - Foto: © ANSA / BORIS PEJOVIC
Die serbisch-orthodoxe Kirche leugnet die staatliche Identität Montenegros und betrachtet das kleine Balkan- und Adrialand als einen Teil Serbiens. Die Pro-Montenegriner sehen in der Zeremonie im ehemaligen Fürsten- und Königssitz Cetinje eine Machtdemonstration des proserbischen Lagers. Bereits am Sonntag vor einer Woche hatten Tausende von ihnen in Cetinje demonstriert.

Am Wochenende schaltete sich nun auch Präsident Milo Djukanovic ein. Er forderte die serbisch-orthodoxe Kirche eindringlich dazu auf, die Inthronisierung zu verschieben oder aus Cetinje wegzuverlegen. Geschehe das nicht, werde er sich persönlich dem Protest der Gegner anschließen, sagte er am Samstag vor Journalisten in Podgorica. „Ich werde dort sein, wo die Ehre und Würde unseres Staates verteidigt wird“, fügte er hinzu.

Als Präsident hat Djukanovic erstmals seit gut 30 Jahren keine Kontrolle über die exekutive Macht, nachdem die Präsidentenpartei DPS vor genau einem Jahr die Parlamentswahl knapp verloren hatte. Der neue Ministerpräsident Zdravko Krivokapic und etliche Minister stehen der serbisch-orthodoxen Kirche nahe. Das Kabinett wird von proserbischen Parteien unterstützt.

„Er soll endlich damit aufhören, Spannungen und Konflikte zu provozieren und zu schüren“, sagte Krivokapic am Wochenende an Djukanovic gerichtet. Eine Gruppe von 19 Intellektuellen aus fünf ehemals jugoslawischen Ländern wandte sich indes mit einem Aufruf an die Europäische Union (EU) und die USA, die serbische Expansionspolitik in Montenegro zu stoppen.

Die geplante Zeremonie in Cetinje würde „einen symbolischen Akt der völligen Unterwerfung Montenegros unter die groß-serbische Politik bedeuten“, hieß es in dem Appell. Frieden und Sicherheit in Montenegro stünden auf dem Spiel, mit Auswirkungen auf die gesamte Region. Unterzeichnet haben das Dokument unter anderen die ehemalige kroatische Außenministerin Vesna Pusic und die Präsidentin des Helsinki-Komitees in Serbien, Sonja Biserko.

dpa

Alle Meldungen zu: