Dies geht aus einem nächtlichen Gipfeltreffen der Berlusconi-Koalition hervor. Berlusconi signalisierte seine Bereitschaft, auf seine bisherige Forderung nach sofortigen vorgezogenen Parlamentswahlen zu verzichten, um ein Kabinett Monti zu unterstützen. Ein Monti-Kabinett sei unter den gegebenen Umständen unausweichlich, gab er zu.Allerdings nannte er im gleichen Atemzug den Namen von PdL-Chef Angelino Alfano, an dem er dennoch festhalten will.Berlusconi schickt Telegramm an Monti: "Wünsche gute Arbeit"Am frühen Donnerstagmorgen erreichte Monti ein Telegramm, in dem ihm Berlusconi "gute Arbeit" wünschte. "Ich gratuliere Ihnen zu Ihrer Nominierung zum Senator auf Lebenszeit vonseiten des Staatspräsidenten. Außerdem wünsche ich Ihnen gute Arbeit im Interesse des Landes."Außenminister Franco Frattini (PdL) antwortete auf Nachfrage, ob er einem Monti-Kabinett angehören wolle: "Es darf jetzt nicht um Personen-Fragen gehen. Das Land und dessen Interessen müssen im Fokus stehen. Darum geht es".Monti gilt derzeit als FavoritMonti gilt derzeit als Favorit im sich drehenden Polit-Karussell, um den Nachfolger von Berlusconi zu bestimmen (siehe eigenen Bericht).Unklar ist jedoch, welche Parteien der neuen Notstandsregierung beitreten sollen, die Italien durch die akute Schuldenkrise bis zum regulären Ende der Legislaturperiode 2013 führen soll.Lega hält an Neuwahlen fest - Di Pietro sagt Nein zu Monti Die Lega Nord sprach sich gegen eine Allparteienregierung aus, an der sich neben dem Mitte-Rechts-Lager auch der PD beteiligen sollte. „Wir sind gegen eine Regierung mit dem PD, es sollte lieber zu Neuwahlen kommen“, kommentierte Lega-Chef Umberto Bossi.Auch Roberto Maroni erteilte eine Absage. Der Innenminister betonte am Donnerstagmorgen, dass für die Lega Nord nur Neuwahlen in Frage kommen. Sollte Monti tatsächlich das Regierungsruder übernehmen, dann werde die Lega Nord fortan der Opposition angehören.Ein Nein zu Monti kommt außerdem aus den Reihen des IDV, angeführt von Antonio Di Pietro. "Wir sagen Nein zu diesem Vorschlag einer technischen Regierung. Sollte es dazu kommen, werden wir ihr nicht das Vertrauen aussprechen und gegen sie stimmen."Fini: "Monti ist der richtige Mann"Zustimmung gibt es von Gianfranco Fini (FLI), Präsident der Abgeordnetenkammer: "Mario Monti ist die richtige Person in dieser schweren Zeit. Er ist imstande, die großen wirtschaftlichen Probleme dieses Landes zu lösen", zeigte sich Fini überzeugt.Lagarde fordert "politische Klarheit"Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) forderte unterdessen „politische Klarheit“ in Italien. Der IWF sei zur Hilfe in der italienischen Schuldenkrise bereit, sagte Lagarde am Donnerstag vor Journalisten in Peking.„Politische Klarheit ist das, was notwendig ist.“ Niemand wisse, wer als politischer Führer aus der Krise hervorkomme, sagte Lagarde in einem Hinweis auf die Regierungskrise in Rom. „Politische Klarheit ist für bessere Stabilität förderlich.“Druck aus Frankreich und GroßbritannienImmer mehr Druck kommt auch von französischer Seite: Regierungssprecherin Valerie Pecresse forderte am Donnerstag zügige Verhandlungen, um einer neuen Regierung ihr Gesicht zu verleihen. "Italien, die Zeit drängt", meinte sie in ihrer Stellungnahme.Der britische Ministerpräsident David Cameron nannte Italien hingegen eine Gefahr für die gesamte Eurozone.Monti hat Napolitanos vollste Unterstützung Staatspräsident Giorgio Napolitano will offenkundig Monti auf seinem Weg zum Premieramt aktiv unterstützen. Am Mittwoch ernannte der Staatschef überraschend Monti zum Senator auf Lebenszeit für seine Verdienste für die italienische Wirtschaft.Der 68-jährige Monti hatte zwischen 1994 und 2004 als EU-Kommissar gedient. Dieser Schritt wird von politischen Beobachtern als Signal bewertet, dass Monti zum neuen Premier avancieren könnte.Der Druck der Finanzmärkte Das politische Rom erlebte am Mittwoch einen neuen dramatischen Tag. Trotz der Rücktrittsankündigung von Ministerpräsident Berlusconi geriet Italien immer mehr ins Visier der internationalen Finanzmärkte.Die Renditen für die italienischen Schuldpapiere erreichten am Mittwoch einen neuen Rekordwert: Investoren verlangten beim Kauf der Anleihen zwischenzeitlich 7,47 Prozent Rendite. Es war das erste Mal seit Einführung des Euro, dass dieser Wert sieben Prozent überschritt. Die Aktienkurse an der Mailänder Börse stürzten am Nachmittag um 4,5 Prozent ab.Donnerstag: Rendite der Staatsanleihen erreichen erneut HöchstwerteAuch am Donnerstag erreichten die Renditen für die Schuldpapiere wieder Höchstwerte: Die Renditen für die fünfjährigen Anleihen stiegen kurzzeitig auf 7,8 Prozent, jene der zweijährigen Anleihen auf 7,36 Prozent und jene der zehnjährigen Anleihen auf 7,39 Prozent.Der nahe AbgrundDie Turbulenzen an der Börse lösten Panik in Rom aus. „Das ist ein Drama, wir stürzen in den Abgrund. Italien droht eine Krise wie in Griechenland“, warnte Industriellenchefin Emma Marcegaglia.mit/joi