Donnerstag, 02. April 2020

Monti plädiert für europäische Solidarität

Italiens Ex-Premier Mario Monti ruft die EU-Mitgliedsstaaten zu einem Mentalitätswechsel auf: „Wir sitzen alle im selben Boot.“

Italiens Ex-Premier Mario Monti fordert mehr Solidarität in der EU, um die Corona_Krise zu bewältigen.
Italiens Ex-Premier Mario Monti fordert mehr Solidarität in der EU, um die Corona_Krise zu bewältigen. - Foto: © shutterstock
„Im Süden Europas muss man aufhören, zu denken, dass Solidarität ein Recht für uns und eine Pflicht für die anderen ist. In Nordeuropa müsste man begreifen, dass kostspielige Solidaritätsgesten auch im Interesse des eigenen Landes erfolgen können“, sagte Monti, ehemaliger EU-Wettbewerbskommissar.

„Je größer ein Land ist, desto mehr sollte es begreifen, dass Hilfe zugunsten anderen Staaten auch für sich selber wichtig ist. Wenn Italien in die Krise stürzt, hätte auch Deutschland Rückschläge. Große Blöcke wie USA und China werden nach der Epidemie geschlossenere Märkte sein. EU-Länder, die von Export leben, wie Deutschland und Italien, werden daher noch mehr auf den europäischen Binnenmarkt angewiesen sein“, sagte Monti im Gespräch mit Journalisten am Donnerstag.

Nach der Kontroverse beim vergangenen Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs sei in Europa mittlerweile eine „intelligentere Haltung“ aufgetreten. „Vor allem in Deutschland erheben sich viele Stimmen, die die deutsche Regierung auffordern, eine gemäßigtere Haltung einzunehmen und zu begreifen, dass wir alle im selben Boot sitzen“, sagte Monti.
Der Streit über Coronabonds entzweit die EU-Staaten. Italien, Spanien, Frankreich und andere Staaten fordern sie vehement, während sich Deutschland, die Niederlande, Österreich und andere sperren. Da sich die Staats- und Regierungschefs nicht einigen konnten, soll nun die Eurogruppe neue Vorschläge erarbeiten. Der Vorsitzende Mario Centeno hat sie für den 7. April angekündigt

apa

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