Samstag, 16. März 2019

Mordanschuldigung gegen Australier nach Terror in Neuseeland

Der mutmaßliche Moschee-Attentäter von Christchurch ist am Samstag erstmals einem Richter vorgeführt worden. Dieser legte dem 28-jährigen Australier in der Anhörung offiziell Mord zur Last. Weitere Anklagepunkte dürften noch folgen. Der Australier stellte keinen Antrag auf Freilassung gegen Kaution und bleibt weiter in Gewahrsam. Am 5. April soll er wieder vor Gericht erscheinen.

In Christchurch ereignete sich eine Tragödie Foto: APA (AFP)
In Christchurch ereignete sich eine Tragödie Foto: APA (AFP)

Der australische Regierungschef Scott Morrison hatte den Angreifer am Freitag als einen „extremistischen, rechtsgerichteten, gewalttätigen Terroristen” bezeichnet. Der Attentäter hatte in zwei Moscheen in Christchurch das Feuer eröffnet und 49 Menschen getötet. Er filmte die Tat und veröffentlichte die Aufnahmen live im Internet.

Der Attentäter von Neuseeland arbeitete laut der Zeitung „The Australian” früher als Fitnesstrainer. Schon damals soll der Australier merkwürdige Kommentare von sich gegeben haben, berichtete das Blatt am Samstag unter Berufung auf Nachbarn und Online-Einträge des heute 28-Jährigen. Im Jahr 2011 habe der Mann über sich geschrieben: „Ich bin ein Monster der Willenskraft. Ich brauche nur ein Ziel.”

Ehemalige Nachbarn in der Gemeinde Grafton beschrieben ihn demnach als jemanden aus einer „schönen Familie”. Er sei ein netter junger Mann gewesen. Die Mutter war dem Zeitungsbericht zufolge Englisch-Lehrerin, der Vater nahm an Triathlon-Wettbewerben teil. Die Familie selbst wollte dem „Australian” zufolge nicht über den Mann sprechen.

Weitere Verdächtige in Haft

Zwei weitere Verdächtige blieben ebenfalls in Haft. Ein dritter Festgenommener wurde freigelassen. Dabei handelte es sich nach Angaben der Behörden um eine bewaffnete Person, die nach dem Anschlag lediglich hatte helfen wollen.

Nach dem Anschlag wurden am Samstag noch 42 Verletzte im Krankenhaus behandelt, darunter ein vierjähriges Kind. Die Todesopfer und Verletzten stammten aus zahlreichen Ländern, darunter die Türkei, Bangladesch, Indonesien, Malaysia und Saudi-Arabien.

Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern kündigte als Konsequenz aus dem Anschlag eine Verschärfung der Waffengesetze an. Der Tatverdächtige hatte laut Ardern im November 2017 einen Waffenschein der Kategorie A erhalten und im folgenden Monat mit dem Kauf der fünf Waffen begonnen, die er bei dem Attentat benutzte.

Waffenschein ab 16

In Neuseeland kann jeder Bürger über 16 Jahren einen Waffenschein erhalten, wenn er zuvor einen Sicherheitskurs durchlaufen hat. Mit dem Schein können dann rechtmäßig Waffen erworben werden. Damit ist das Waffenrecht in Neuseeland deutlich laxer als in Australien.

Ardern bestätigte, dass der mutmaßliche Attentäter bisher nicht im Visier der neuseeländischen Sicherheitsbehörden gewesen sei, obwohl er sich im Internet extremistisch geäußert hatte. Es werde geprüft, ob der Mann den Behörden früher hätte auffallen müssen, sagte die Regierungschefin.

Ardern zufolge hatte der Schütze geplant, seine Tat fortzusetzen, allerdings konnten ihn zwei Beamte in seinem Auto stoppen. „Er hatte absolut die Absicht, seine Attacke fortzuführen”, sagte die Regierungschefin. In seinem Auto seien zwei weitere Feuerwaffen sichergestellt worden. Nach Angaben der Polizei vergingen vom ersten Alarm bis zur Festnahme 36 Minuten.

apa/ag.

stol