Dienstag, 08. September 2020

Moskau wirft Berlin Bluff im Fall Nawalny vor

Im Streit um die Vergiftung des Kremlkritikers Alexej Nawalny erwartet Russland von Deutschland Belege. „Es ist an der Zeit, die Karten offen zu legen, weil es für alle klar ist: Berlin blufft, um einem schmutzigen politischen Getue dienlich zu sein“, schrieb die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Dienstag auf sozialen Medien.

Es sei eine europäische Reaktion gefragt, so Merkel.
Es sei eine europäische Reaktion gefragt, so Merkel. - Foto: © APA (dpa) / Michael Kappeler
Das betreffe die Ergebnisse der Untersuchungen in einem Labor der deutsche Bundeswehr und die Beweise des deutschen Außenministeriums, schrieb Sacharowa. Russland bestreitet, in den Fall verwickelt zu sein.

Gespräch geplant

Der deutsche Botschafter werde zum Gespräch erwartet, so Sacharowa. Das Gespräch soll am Mittwoch stattfinden, verlautete aus der deutschen Botschaft. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, dass es sich um einen lange geplanten Termin handle.

In Deutschland geht unterdessen die Diskussion um mögliche Auswirkungen für die Pipeline Nord Stream 2 weiter, die durch die Ostsee gebaut wird und Erdgas von Russland nach Deutschland transportieren soll. An dem Projekt ist auch die österreichische OMV beteiligt.

Nawalny zweifelsfrei vergiftet

Nawalny, einer der schärfsten Gegner von Kremlchef Wladimir Putin, war am 20. August auf einem Inlandsflug in Russland ins Koma gefallen und später auf Drängen seiner Familie in die Berliner Charité verlegt worden ( STOL hat berichtet).

Die deutsche Regierung hatte nach Untersuchungen in einem Spezial-Labor der deutschen Bundeswehr mitgeteilt, dass sie es als zweifelsfrei erwiesen ansehe, dass Nawalny mit dem militärischen Nervengift Nowitschok vergiftet worden sei ( STOL hat berichtet). Am Montag wurde bekannt, dass der 44-Jährige nach mehr als 2 Wochen wieder aus dem Koma geholt wurde ( STOL hat berichtet).

Merkel fordert Aufklärung

Merkel sagte, nun werde man in der Europäischen Union Schritt für Schritt über eine Antwort sprechen, - spätestens auf dem Brüsseler EU-Gipfel am 24. und 25. September. Russland als Mitglied der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) könne auch Beiträge zur Aufklärung leisten. Bisher habe man davon aber noch nichts gesehen. Merkel betonte: „Es ist eine europäische Reaktion gefragt, es ist keine spezielle Attacke auf Deutschland gewesen.“

apa