Es ist ein Befund, der gleichermaßen irritiert wie beschämt: In Trient bleibt der faschistische Diktator Benito Mussolini Ehrenbürger – nicht etwa aus Überzeugung, sondern aus Mangel an politischem Willen. Zu wenige Gegenstimmen im Gemeinderat haben dafür gesorgt, eine klare, längst überfällige Distanzierung vom Faschismus zu verhindern <b> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/12-raete-verweigern-die-stimme-mussolini-bleibt-ehrenbuerger-von-trient" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">(Hier lesen Sie mehr dazu).</a></b><BR /><BR /> Was sagt das über den Zustand der historischen Aufarbeitung in Italien aus?<BR /><BR /><embed id="dtext86-73996528_quote" /><BR /><BR />Für uns in Südtirol ist diese Frage keine abstrakte. Der Faschismus war hier keine ferne Ideologie, sondern gelebte Unterdrückung. Unsere Sprache wurde aus dem öffentlichen Leben gedrängt, unsere Namen italianisiert, unsere Identität systematisch ausgelöscht. Deutsche Schulen wurden verboten, kulturelle Vielfalt durch staatlich verordnete Gleichschaltung ersetzt. Südtirol wurde zum Experimentierfeld einer aggressiven Nationalisierungspolitik.<BR /><BR />Doch das Problem reicht weit über unsere Region hinaus. Der Faschismus hat ganz Italien geprägt – durch Repression, Gewalt und die Ausschaltung demokratischer Strukturen. Umso unverständlicher ist es, dass bis heute ein klarer, entschlossener Bruch mit diesem Erbe fehlt. <BR /><BR /><embed id="dtext86-73996529_quote" /><BR /><BR />Während in Deutschland jede Form der Verharmlosung und Verherrlichung des Nationalsozialismus strafbar ist, scheint man in Italien noch immer zu zögern, eindeutige Zeichen zu setzen.<BR /><BR />Man stelle sich vor, Adolf Hitler wäre irgendwo Ehrenbürger geblieben – die Empörung wäre grenzenlos. In Italien hingegen bleibt es erstaunlich still. Diese Gleichgültigkeit ist gefährlich. Sie relativiert Geschichte, sie verwischt Verantwortung, sie öffnet Tür und Tor für nostalgische Verklärung.<BR /><BR /><embed id="dtext86-73997181_quote" /><BR /><BR />Es geht nicht um Symbolpolitik, sondern um Haltung. Eine Demokratie, die ihre dunklen Kapitel nicht konsequent aufarbeitet, riskiert, aus ihnen nichts zu lernen. Die Entscheidung von Trient ist deshalb mehr als ein lokales Versäumnis – sie ist ein Spiegel eines nationalen Problems.<BR /><BR />Es ist höchste Zeit, dass Italien den Mut findet, sich seiner Vergangenheit ehrlich zu stellen. Nicht halbherzig, nicht widerwillig, sondern klar und unmissverständlich. Denn Erinnerung ist keine Option – sie ist Verpflichtung.<BR /><BR /> <a href="mailto:arnold.sorg@athesia.it" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">arnold.sorg@athesia.it</a>